Neubrandenburg : Sprengstoffbastler vor Gericht

Einsatzkräfte des Munitionsbergungsdienstes sicherten im Februar 2016 in Woldegk die Chemikalien.
Einsatzkräfte des Munitionsbergungsdienstes sicherten im Februar 2016 in Woldegk die Chemikalien.

Berufungsprozess startet neu. Angeklagter musste begutachtet werden

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02. Januar 2018, 21:00 Uhr

Nach einem Jahr Unterbrechung startet am Freitag in Neubrandenburg der Berufungsprozess gegen den sogenannten Sprengstoffbastler aus Woldegk neu. Bisher ist nur ein Verhandlungstag geplant, wie ein Sprecher des Landgerichts gestern  sagte. Die Verhandlung war Anfang Januar 2017 abgebrochen worden, weil der Angeklagte wegen seines Verhaltens und wirrer Todesfantasien auf Zetteln psychiatrisch begutachtet werden musste.

Der Fall des 35-Jährigen hatte über Mecklenburg-Vorpommern hinaus für Aufsehen gesorgt. Er gestand, bis 2016 fast drei Jahre lang in einer kleinen Wohnung in einem Plattenbau in Woldegk Sprengstoff hergestellt, etwa 50 mal im Freien erprobt und sogar gefilmt zu haben. Das Ganze war im Februar 2016 nur durch Zufall aufgeflogen.

Ein Herstellversuch war außer Kontrolle geraten, der Mann bugsierte die Chemikalien auf den Balkon, wo Rauch aufstieg. Nachbarn alarmierten die Feuerwehr.

Der 35-Jährige war vom Amtsgericht wegen Verstoßes gegen Sprengstoff- und Waffengesetze danach zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden. Mit der Berufung will der arbeitslose Landmaschinenschlosser erreichen, dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird. Die Berufung wurde nur auf das Strafmaß begrenzt.

Für die Experimente wurden mehr als 160 Kilogramm unterschiedlicher Substanzen über das Internet gekauft. Damit stellte der Mann etwa acht Kilogramm Sprengstoff her, wie Experten errechneten. Zur Bergung des Sprengmaterials wurde damals das ganze Wohnhaus evakuiert. Einige explosive Substanzen aus dem Kühlschrank wurden in Spezialbehältern des Munitionsbergungsdienstes abtransportiert und sofort vernichtet.

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