Video: Windrad in Grischow gebrochen : Wie lange laufen Windkraftanlagen gefahrlos?

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Foto: Tilo Wallrodt

Ein Unfall in Grischow in Vorpommern wirft diese Frage neu auf. Ein Mast ist nach 16 Jahren einfach gebrochen, die gesamte Rotortechnik zerstört.

svz.de von
12. Dezember 2016, 12:20 Uhr

In Grischow bei Grimmen ist am Sonntagnachmittag eine Windkraftanlage durchgebrochen und auf einen Acker gestürzt. Das etwa 90 Meter hohe Windrad brach auf einer Höhe von etwa 25 Metern auseinander. Rotor und Turmreste lagen auf dem Feld. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Die Unglückstelle wurde abgesichert und der Betreiber informiert. Am Montag sicherten Techniker bereits erste Wrackteile auf dem Acker, wie Christian Scherz, Geschäftsführer der Betreiberfirma Ököfair Energie GmbH mitteilte.

Aktuell gibt es keine Hinweise, wie es zu dem Unglück kam. Besonders starker Wind sei am Wochenende nicht gewesen. Derzeit wird geklärt ob ein technischer Defekt wie Materialermüdung zum umstürzen führte. In den kommenden Tagen wird sich der Betreiber, ein Sachverständiger sowie die Kriminalpolizei erneut am Unglücksort einfinden und die Ermittlungsarbeiten ausweiten. Alle Teile sollen nochmals genauer unter kontrolliert werden. „Das kann aber länger dauern“, sagte Schwerz.

Für die Windkraftanlage in Grischow ist bereits eine Erneuerung in Planung, ein sogenanntes Repowering. Laut Betreiber sollen hier in Zukunft größere Türme mit deutlich mehr Leistung entstehen.

Alexander Benkert, Bürgermeister (CDU) forderte am Montag eine Überprüfung des gesamten Windparks. Während Fachleute die genaue Ursache klären sollen, fordert Benkert weiter, dass es Sichtprüfungen an allen anderen Windrädern geben sollte. Der Park soll derweil aber am Netz bleiben. „Wir haben keine Anhaltspunkte, dass das ein Serienfehler war.“ Der Landkreis Vorpommern-Rügen, zuständig für die Bauaufsicht, lässt sich nach Angaben eines Sprechers sämtliche Wartungsprokolle des Betreibers schicken. Sollten sich aus diesen Protokollen Wartungslücken ergeben, werde der Windpark gesperrt, sagte ein Kreissprecher.

Das Windrad nahe Grischow ist Bestandteil eines Windparks mit 21 Windrädern. Die etwa 90 Meter hohen Anlagen wurden im Jahr 2000 errichtet und sollen laut Betreiber eine Leistung von 0,6 Megawatt pro Rotor haben. Damals waren etwa 17,5 Millionen Euro investiert worden. Ein ähnlicher Windpark wurde in Gardelegen (Sachsen-Anhalt) errichtet.

Windkraftgegner zeigten sich nach dem Vorfall beunruhigt. „Dieser Unfall wirft die Frage auf, wie sicher die Windräder tatsächlich sind“, sagte der Vorsitzende der Partei „Freier Horizont“, Norbert Schumacher. Zum Glück habe niemand auf dem Acker gearbeitet. Wenn Anlagen mit bis zu 230 Meter Höhe aufgestellt werden, müsse die Sicherheit für die Menschen gewährleistet werden, möglicherweise durch Einzäunen, sagte Schumacher.

Unfälle an Windkraftanlagen sind selten, passieren aber immer wieder. Im März 2013 war ein Windrad bei Grimmen in Brand geraten. Da das Feuer in etwa 100 Meter Höhe ausbrach, blieb der Feuerwehr damals nichts anderes übrig, als zu warten bis es von allein ausging. Ein ähnlicher Unfall passierte 2009 bei Völschow. Auch damals geriet eine Maschinengondel in Brand.

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