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Zweiter Fall in MV : Über die Mailadresse des Chefs: Betrüger lassen sich Geld überweisen

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Als falsche Geschäftsführer haben Unbekannte bei einer Firma in Schwerin rund 60.000 Euro ergaunert.

svz.de von
erstellt am 23.Mär.2017 | 08:28 Uhr

Alle Warnungen haben offenbar nichts genutzt. Es gibt in Mecklenburg-Vorpommern einen weiteren Fall des so genannten Geschäftsführer-Schwindels. Betroffen: eine Firma in Schwerin-Süd. Laut Polizei haben Betrüger am Mittwoch mit einer manipulierten E-Mail-Adresse Kontakt zu dem Unternehmen aufgenommen und der Firma einen „erheblichen Schaden“ zugefügt.

Die unbekannten Täter hätten sich im elektronischen Schriftverkehr täuschend echt als der Firmenchef ausgegeben und die Buchhaltung zur Transaktion eines größeren fünfstelligen Euro-Betrags aufgefordert, teilte die Polizei mit. „Den Tätern gelang es, auch in der weiteren Korrespondenz mit der Firma den Schein aufrechtzuerhalten und die Mitarbeiter schließlich dazu zu veranlassen, die Überweisung vorzunehmen.“ Erst später habe sich der dreiste Betrug herausgestellt.

Anfang dieses Monats hatte das Landeskriminalamt (LKA) erstmals einen Fall in MV öffentlich gemacht, bei dem die Täter mit der Chef-Masche vorgegangen waren (SVZ berichtete). Betrügern sei es gelungen, bei einem Unternehmen unter dem Vorwand eines Firmenkaufs „schädigende Zahlungen zu veranlassen“, hieß es in einer Mitteilung des LKA. Die Beute: rund 1,6 Millionen Euro. Ob es einen Zusammenhang zwischen diesem Fall und dem neuen Fall in Schwerin gibt, ließ LKA-Sprecher Michael Schuldt gestern offen. „Die Ermittlungen in beiden Fällen laufen“, sagte er.

Hinter dem Geschäftsführer-Betrug, einer besonders perfiden, digitalen Spielart des klassischen Enkeltricks, steckt nach Angaben von Schuldt eine enorme logistische Vorbereitung. Die Betrüger spionierten die internen Abläufe in einem Unternehmen aus, suchten im Internet gezielt nach Informationen, nutzten soziale Medien.

Das ergaunerte Geld landet nach Einschätzung von Ermittlern häufig auf Konten im Ausland. Außerdem gehen die Behörden davon aus, dass hinter den Betrügereien keine Einzeltäter, sondern kriminelle Organisationen stecken. Laut eines Berichts der „Welt“ wurden von 2013 bis August 2016 in Deutschland 250 Betrugs-Fälle mit der Chef-Masche bekannt. Der Gesamtschaden belaufe sich auf 150 Millionen Euro.

Die Schweriner Polizei nimmt den aktuellen Fall zum Anlass, die maßgeblichen Mitarbeiter in Unternehmen einmal um Vorsicht zu bitten. „Haben Sie stets ein gesundes Misstrauen und vergewissern Sie sich insbesondere bei ungewöhnlichen Transaktionsforderungen möglichst auf allen zur Verfügung stehenden Kommunikationswegen von der Richtigkeit des Auftrages“, so der eindringliche Appell.

 

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