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Aus dem Polizeibericht

23. Oktober 2017 | 13:51 Uhr

Wohlenberger Wiek : Suizid nur vorgetäuscht

vom

Nach Polizeigroßeinsatz: Angeblich vermisster Urlauber erfreut sich bester Gesundheit.

svz.de von
erstellt am 10.Aug.2017 | 06:00 Uhr

Der vermisste 19-jährige Urlauber aus Niedersachsen, der Sonnabendfrüh (5. August) einen Großeinsatz der Polizei in Wohlenberg ausgelöst hat, erfreut sich „bester Gesundheit“, so Nancy Schönenberg, Sprecherin der Polizeiinspektion Wismar, am Mittwoch.

Wie die Ermittlungen ergaben, war eine Gefahrenlage durch den Vermissten selbst nur vorgetäuscht worden. Er hatte in einem Strandkorb persönliche Sachen mit einem schriftlichen Hinweis so abgelegt, dass diese gefunden werden mussten. Hierzu gab es noch ein handschriftlich verfasstes Schriftstück des Vermissten, welches das sofortige Handeln der Polizei in diesem großen Rahmen notwendig machte. Dabei soll es sich um einen Abschiedsbrief handeln, so die Sprecherin auf SVZ-Nachfrage.

Zugleich erklärte sie, dass solch eine Angelegenheit, in diesem Großumfang für den Polizeibereich nicht so alltäglich sei. Es kamen an der Wohlenberger Wiek am vergangenen Sonnabend ein Polizeihubschrauber, Boote der Wasserschutzpolizei, ein Fährtenhund, die Freiwillige Feuerwehr Klütz sowie unzählige Beamte aus der Polizeiinspektion Wismar bis hin zu Kriminalbeamten zum Einsatz.

Yvonne Hanske vom Polizeipräsidium Rostock hatte am 6. August nach  damaligem Kenntnisstand erklärt: .„Inzwischen müssen wir leider in Betracht ziehen, dass es sich um einen Suizid handeln könnte, da ein entsprechendes Schreiben bei den Sachen gefunden wurde“.

Doch die Angelegenheit bekam eine ganz andere Wende. Den Ermittlungen der Kriminalpolizei zufolge habe sich der Vermisste unmittelbar nach der Inszenierung einer Gefahrenlage  mit seinem Pkw auf den Weg nach Dänemark gemacht. Die Ermittlungen ergaben ferner, dass er „am 5. August gegen Mittag die deutsche Grenze in Richtung Dänemark überquerte. Hier hielt er sich dann bis zum 8. August auf“.

Letztendlich konnte der vermeintlich Vermisste laut Nancy Schönenberg gestern, also nur  einen Tag später, auf einem Parkplatz an der A 7 in der Nähe von Schleswig festgestellt werden. Dessen Motiv ist noch unklar.

 Dieser Einsatz dürfte allerdings für den 19-Jährigen wohl nicht ganz ohne Folgen bleiben. Abgesehen davon, dass alle am Einsatz beteiligten Polizisten und freiwilligen Helfer andere Einsatzlagen haben liegen lassen müssen, prüft die Polizei nun die rechtlichen Möglichkeiten, den Verursacher haftbar zu machen. Einfach gesagt: Es geht darum, ob der Jugendliche aus Niedersachsen für den Großeinsatz finanziell zur Kasse gebeten werden kann.

Dabei setzt das Vortäuschen einer Gefahrenlage, welches zu einer Kostentragungspflicht des Bürgers führen kann, ein aktives Tun voraus. Jedes Bundesland hat sein Sicherheits- und Ordnungsgesetz – auch Polizeigesetz genannt. Ein Fingerzeig, was den Niedersachsen finanziell erwarten könnte, verdeutlicht ein Urteil des OLG Lüneburg, wonach  je „angefangene halbe Stunde einer oder eines jeden eingesetzten Bediensteten Gebühren in Höhe von 27 Euro bis höchstens 10 000 Euro festgesetzt werden“.

Strafrechtliche Konsequenzen gelte es zu überprüfen, so Claudia Lange, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Schwerin. „Es könnte eine Straftat sein und zwar  ,Missbrauch von Notrufen‘“ . Ein Punkt in Paragraf 145, Absatz 1, Nr. 2 STGB ist dabei das „Vortäuschen von Unglücksfällen“.

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