Video: Horrorunfall nahe Greifswald : Ein Dorf unter Schock

1 von 9
Foto: Tilo Wallrodt

Sie kommen von einer fröhlichen Feier und sind mit dem Auto auf dem Heimweg - offenbar viel zu schnell. Das überfüllte Auto prallt gegen einen Baum, vier Menschen sterben, zwei schweben in Lebensgefahr.

svz.de von
06. August 2016, 09:24 Uhr

Die Tachonadel des Autowracks ist bei Tempo 140 stehengeblieben. Kunststoffsplitter, ein zerborstener Baum und ein zerfurchter Feldrand lassen nur erahnen, welch schrecklicher Unfall sich in der Nacht zum Samstag am Ortseingang des Dorfes Groß Kiesow bei Greifswald ereignet hat. Menschen legen an der Unfallstelle Blumen nieder, stellen Kerzen auf und weinen. Reden von ihnen möchte niemand. 

«Das ganze Dorf ist geschockt», fasst Andreas Schorlemmer die Trauer des Ortes mit seinen rund 1200 Einwohnern in Worte. Der Pfarrer und frühere Polizeiseelsorger wohnt in Groß Kiesow. Noch in der Nacht informiert er Angehörige und Freunde der Toten und versucht, sie zu trösten. «Es ist eine ganz, ganz schwierige Situation.»

Zwei Niederländer, ein 54-jähriger Vater und seine Tochter, sowie zwei Männer aus der Nähe von Groß Kiesow (49) und aus Greifswald (25) starben, als das Auto mit überhöhter Geschwindigkeit gegen den Baum prallte. Offenbar war die Fahrerin rund 100 Meter vor der Weide in einer Linkskurve mit dem rechten Reifen auf den Grünstreifen geraten. Ob die 20-jährige Niederländerin, die hinter dem Steuer saß, Alkohol getrunken hatte, ist unklar. «Wir müssen die medizinischen Gutachten abwarten», sagt Polizeisprecher Axel Falkenberg. Ergebnisse werden in einigen Tagen erwartet.

Ein niederländisches Paar (20, 27) saß ebenfalls im überfüllten Auto. Ärzte des Uni-Klinikums im nahen Greifswald kämpfen um deren Leben. Die 20-Jährige habe auf dem Schoß des 49-jährigen Beifahrers gesessen.  «Ob sie es schaffen werden, ist ungewiss», sagt Falkenberg.

Zu sechst kamen sie von einer Wiedersehensfeier mit rund 20 Freunden. Bis vor kurzem war der 54-Jährige aus dem niederländischen Borne Betreiber einer Agrargesellschaft in Groß Kiesow und gab Menschen im Ort Arbeit. Zuletzt betrieb er eine Viehwirtschaft in dem Dorf und pendelte zwischen seiner Heimat in den Niederlanden und dem vorpommerschen Dorf, wo er noch immer Freunde und Bekannte hat. «Er und seine Tochter waren für den Ort wichtige Leute», sagt Schorlemmer. Umso mehr erschüttert der Unfall die Menschen hier.

Selbst Polizeisprecher Falkenberg ist sichtlich betroffen. «Es ist einer der schwersten Unfälle mit einem allein beteiligten Fahrzeug in Mecklenburg-Vorpommern überhaupt», sagt er. Die Frau des 49-jährigen Toten und deren Tochter, die mit dem 20-jährigen Unfallopfer befreundet war, wurden psychologisch betreut. Die Staatsanwaltschaft hat nach den Worten Falkenbergs inzwischen entschieden, kein Unfallgutachten zu beauftragen. Als Grund wurde genannt, dass die Unfallverursacherin tot und auch nur ein Auto am Unfall beteiligt gewesen sei.

Polizeiseelsorger kümmerten sich auch um die Rettungskräfte. «Es war ein ganz furchtbarer Anblick, der auch die Rettungskräfte vor große Herausforderungen gestellt hat», sagt Polizeiseelsorger Hanns-Peter Neumann. «Die Bilder, die man in solch einer Ausnahmesituation sieht, brennen sich ein.» Man müsse helfen, dass die Bilder nicht Macht über die Betroffenen gewinnen. Nach dem Einsatz habe er noch lange mit den Polizisten im Polizeirevier gesessen und über den Einsatz gesprochen. «Gespräche helfen», sagt Neumann, «Los wird man die Bilder aber nicht.»

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen