Kriminalität : Warnung vor leichtfertigem Umgang mit Internetanlagen

Bitcoin-Münzen, fotografiert in Berlin beim Münzhandel «BitcoinCommodities». /Arhcivbild
Bitcoin-Münzen, fotografiert in Berlin beim Münzhandel «BitcoinCommodities». /Arhcivbild

Eine Schadenshöhe von mehr als 100 Millionen Euro klingt schier unglaublich. Und selbst das scheint nur die Spitze des Eisbergs von Betrugsfällen mit sogenannten Kryptowährungen zu sein.

svz.de von
12. Juni 2019, 09:15 Uhr

Nach Bekanntwerden eines Betrugsfalls mit der Kryptowährung Bitcoin und einem Schaden von mindestens 100 Millionen Euro hat die Staatsanwaltschaft Rostock vor dem leichtfertigen Umgang mit vermeintlich lukrativen Anlageformen im Internet gewarnt. Zwar gebe es legale Vermittler von Kryptowährungen oder binären Optionen, sagte Behördensprecher Harald Nowack. «Aber es ist und bleibt ein Spiel mit hochriskanten Anlagen.» Das Geld könne auch bei legalen Anbietern weg sein - und dann gebe es zusätzlich die «schwarzen Schafe», die das Geld erst gar nicht anlegten. Bei diesen Anlagen spekulierten die Menschen auf einen fallenden oder steigenden Kurs dieser Währungen.

Die Rostocker Ermittler hatten vergangene Woche berichtet, dass sie nach der Anzeige eines um 80 000 Euro betrogenen Mannes ein international agierendes Geldwäschenetzwerk aufgedeckt hätten. Ein 35-jähriger Mann in Nordrhein-Westfalen sei festgenommen worden. Der angegebene Schaden von 100 Millionen Euro bezog sich den Angaben zufolge nur auf das Jahr 2018. «Das ist nur der Schaden bei einem Geldwäscher. Und die Jahre davor haben wir uns gar nicht angeguckt.» Die Geschädigten hätten kaum eine Chance, ihr Geld wiederzuerlangen.

Dabei täuschten die psychologisch geschulten Betrüger nach dem Geldeingang vor, dass der Gewinn in den Depots schnell steige. «Da werden Renditen von 50 Prozent und mehr versprochen.» Dann seien die Anleger bereit, nicht nur ihr erspartes Geld einzusetzen, sie nähmen dafür sogar Geld auf. «Ein möglicher Auslöser dafür ist die anhaltende Niedrigzinsphase, die die Anleger zu diesem Leichtsinn verleitet», sagte Nowack. Dabei rentiere sich oft schon ein Blick ins Impressum der Webseite. «Manche habe gar kein Impressum, da würde ich schon mal nicht anlegen», erklärte der Staatsanwalt. Auch der Gang zu einer Verbraucherzentrale könne vor Schaden bewahren.

Ein großes Problem bei den Ermittlungen sei, dass die Betrüger extrem schnell arbeiten. Ist das Geld auf dem Konto, werde die Summe innerhalb von Stunden aufgeteilt und ins Ausland transferiert. «Und von dort aus geht es wieder weiter.» Bei Ermittlungen im Ausland entstehe wiederum ein Zeitverlust. Dazu komme, dass sich manche Geschädigten gar nicht erst meldeten, weil sie sich schämten.

zur Startseite

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen