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"Sebastian" tobt über Norddeutschland : Sturm reißt Bäume in Westmecklenburg um

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Sturmtief «Sebastian» hat am Mittwochmittag Mecklenburg-Vorpommern erreicht und im Westen des Landes erste Bäume umgerissen.

svz.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 14:38 Uhr

Betroffen waren unter anderem die Bundesstraße 5 bei Pritzier und eine Straße nahe Parchim, wie die Polizeiinspektion Ludwigslust mitteilte. Auch in Warnkenhagen und Benckendorf im Landkreis Nordwestmecklenburg musste die Feuerwehr nach Angaben der Leitstelle in Schwerin Bäume von Straßen räumen. Die Fährrederei Scandlines sagte ihre Fahrten zwischen Rostock und Gedser bis Donnerstagfrüh ab.

Die Polizei im Land mahnte Fußgänger und Autofahrer zu besonderer Vorsicht. «Beim Aufenthalt im Freien ist in den nächsten Stunden größere Umsicht geboten», warnte Sprecher Klaus Wiechmann am frühen Nachmittag. «Dachziegel könnten im Einzelfall von Häusern auf Gehwege fallen sowie Äste von Bäumen abbrechen.» Autofahrer sollten insbesondere auf Alleen und Waldstrecken defensiv und vorausschauend fahren.

 

Orkantief „Sebastian“ wütet über weiten Teilen Deutschlands

Als erster großer Herbststurm des Jahres hat Orkantief „Sebastian“ den Norden und Nordwesten Deutschlands getroffen. In Hamburg wurde ein Mann von einem Baugerüst erschlagen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte am Mittwoch vor Orkanböen, die in einzelnen Fällen Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern erreichen könnten.

Etliche Bäume stürzten um, wodurch es etwa in Nordrhein-Westfalen zu Behinderungen im Bahnverkehr kam. Der Wind beschädigte Autos und Gebäude; Dachziegel flogen umher. An der Nordsee fielen viele Fährverbindungen aus. Zuvor hatte „Sebastian“ bereits die Niederlande erreicht. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol wurden zeitweise Start- und Landebahnen geschlossen.

Die DWD-Meteorologen erwarteten für Mittwoch im Norden und Nordwesten schwere Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h. An Nord- und Ostsee und im höheren Bergland könnten schwere Sturmböen und orkanartige Böen mit bis zu 115 km/h auftreten. Im Binnenland wehe der Wind vielfach mit starken bis stürmischen Böen von bis zu 75 km/h und einzelnen Sturmböen von bis zu 85 km/h, hieß es in der Vorhersage vom Mittwochnachmittag.

Der heftige Wind sollte an Nord- und Ostsee in der Nacht zu Donnerstag anhalten. Auch für den Südwesten Deutschlands rechneten die Meteorologen mit Sturmböen. „Über der Mitte lässt der Wind hingegen deutlich nach“, teilte der DWD mit. Hinzu komme aber Dauerregen, der sich von Südwesten her bis zur Mitte Deutschlands ausbreite. Stellenweise könnten dabei am Donnerstag unwetterartige Mengen zusammenkommen.

Zu dem tödlichen Unfall in Hamburg kam es, als ein umgestürztes Baugerüst einen Passanten in der Innenstadt unter sich begrub. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers hatte sich das Gerüst vermutlich in Folge starker Böen vom Dach eines siebengeschossigen Bürogebäudes gelöst.

Auf der Nordseeinsel Föhr wurde eine Fußgängerin von einem Baum getroffen. Dabei wurde sie schwer verletzt, wie die Polizeidirektion Flensburg mitteilte. Glück im Unglück hatte ein Mitarbeiter der Nikolaikirche in Kiel: Ein Firstziegel fiel nach Angaben der Gemeinde vom Dach der Kirche auf das Auto des Mannes und zerschlug das Glasdach, der Mann hatte den Wagen aber kurz zuvor verlassen.„Sebastian“ beeindruckte selbst die sturmerprobten Hallig-Bewohner.

Das laue Lüftchen habe sich gewandelt zu einem richtig kräftigen Sturm, sagte Erco Lars Jacobsen von der Hallig Hooge. Unangenehm mache das Wetter vor allem der Regen - und dass der Sturm dieses Jahr sehr früh da ist.

Der Sturm wirbelte auch die Fahrpläne der Fähren durcheinander. Die Schiffe zwischen dem Festland und den Inseln und Halligen im Wattenmeer fuhren zum Teil nicht, wie die Wyker Dampfschiffs-Reederei mitteilte. Auch die Hochseeinsel Helgoland war per Schiff am Mittwoch nicht erreichbar. Auf dem Hindenburgdamm, der die Insel Sylt mit dem Festland verbindet, wurde der Bahnverkehr eingestellt.

In Hamburg zog „Sebastian“ Einschränkungen im U- und S-Bahnverkehr nach sich. In Nordrhein-Westfalen war ebenfalls Geduld auf Straßen und Schienen gefragt. Wegen der starken Windböen schloss hier außerdem der Wuppertaler Zoo zwischenzeitlich seine Pforten.

Flensburg schloss wegen der Sturmwarnungen die städtische Kindertagesstätten und empfahl den Schulen, ebenfalls zu schließen.

In Husum wurden vier Leichtbauhallen einer Messe zum Thema Windenergie geräumt. Zu etlichen Feuerwehreinsätzen kam es auch in Ostfriesland und in Bremen. Ein Polizeisprecher sagte: „Die Einsätze kommen im Minutentakt rein.“ Im Online-Portal „Kachelmannwetter“ hieß es mit Blick auf umstürzende Bäume: „Die belaubten Bäume sind das Problem. Im Winter ohne Laub würde der Sturm deutlich weniger anrichten. Schon bei 70 km/h können einzelne Bäume umstürzen, 80 km/h und mehr sind dann für so einige Bäume zu viel.“ In den Niederlanden war der Flugverkehr stark beeinträchtigt. Die Fluggesellschaft KLM strich rund 60 innereuropäische Flüge, wie das Unternehmen mitteilte. Auf dem Flughafen Schiphol mussten Start- und Landebahnen wegen starker Winde geschlossen werden. Der Flughafen warnte Passagiere vor großen Verspätungen. Umfallende Bäume verursachten in den Niederlanden Verkehrsunfälle. Dabei wurden nach Angaben der Feuerwehr mindestens zwei Menschen verletzt.

Am Dienstagabend soll ein Wetterumschwung mit Starkregen und tiefstehender Sonne eine Unfallserie auf der Autobahn 2 in Nordrhein-Westfalen ausgelöst haben. Mehrere Autofahrer hätten wegen des Regens heftig gebremst. „Dann kam plötzlich die Sonne wieder raus und die Fahrer konnten nichts sehen“, sagte ein Sprecher der Polizei Bielefeld. Die Bilanz: zwei Tote, Dutzende Verletzte und etliche beschädigte Fahrzeuge.

 

Pressemitteilung Polizei

Scandlines

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