Geschichte : Stralsund erinnert an Frieden mit Dänemark vor 650 Jahren

Rund 7200 gereinigte Bücher werden vom Archivleiter Dirk Schleinert im Depot eingelagert. /dpa-Zentralbild/dpa
Rund 7200 gereinigte Bücher werden vom Archivleiter Dirk Schleinert im Depot eingelagert. /dpa-Zentralbild/dpa

Vor 650 Jahren ist in Stralsund ein Friedensvertrag zwischen der Hanse und dem Königreich Dänemark unterzeichnet worden. Die Hansestadt wollte dieses Ereignis in diesem Jahr groß feiern. Doch Corona machte der Stadt einen Strich durch die Rechnung.

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20. Mai 2020, 13:16 Uhr

Stralsund feiert in diesem Jahr ein historisches Ereignis von europäischer Bedeutung: Vor 650 Jahren - am 24. Mai 1370 - wurde in der Hansestadt der sogenannte Stralsunder Frieden zwischen der Hanse und dem Königreich Dänemark geschlossen. Den Feierlichkeiten macht die Corona-Pandemie bisher einen Strich durch die Rechnung. Zu den Veranstaltungen, die abgesagt oder auf den Herbst verschoben wurden, gehört die öffentliche Präsentation der originalen Friedensurkunden aus dem 14. Jahrhundert, die wegen ihrer Empfindlichkeit normalerweise nicht gezeigt werden.

Am Mittwoch legte der Direktor des Stadtarchivs, Dirk Schleinert, die sechs Pergamente für Journalisten auf seinen Arbeitstisch im neuen Stralsunder Zentraldepot. «Sie gehören zu den bedeutendsten Dokumenten, die es in Europa gibt», sagte Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) und nannte die Hanse die «EU des Mittelalters».

Schleinert zufolge unterzeichneten am Himmelfahrtstag 1370 Vertreter von 23 Hansestädten und Gesandte des dänischen Königs in Stralsund nach fast zehnjährigem Krieg die Friedensurkunden. Die historische Bedeutung des Friedens bestehe auch darin, dass er einen kriegerischen Konflikt zwischen einem lockeren Städtebund wie der Hanse und einem spätmittelalterlichen Königreich zugunsten des Städtebundes beendete, sagte er. Der dänische Reichsrat gestand den Hansestädten ihre alten und noch zusätzliche Privilegien zu. In einer zweiten Urkunde sprechen die Reichsräte den Hansestädten für 15 Jahre bestimmte Einnahmen des dänischen Königs zu.

König Waldemar IV. bestätigte die Urkunden ein Jahr darauf, verzichtete aber auf das große rote Majestätssiegel, wie Schleinert sagte. Alle Vereinbarungen seien dennoch eingehalten worden. Sein Nachfolger habe die Verträge ebenfalls bestätigt. Die Original-Friedensurkunden der Reichsräte lagerten seitdem im Stralsunder Ratsarchiv. Die entsprechenden Urkunden der Hansestädte werden in Kopenhagen aufbewahrt. Alle Schriftstücke sind in Niederdeutsch verfasst, der Amtssprache der Hansestädte.

Wissenschaftler oder geschichtlich Interessierte können sich mit ihnen künftig wieder im Lesesaal des Stadtarchivs im sanierten Johanniskloster befassen. Es wird am Montag wiedereröffnet, wie Kulturamtsleiterin Steffi Behrendt mitteilte.

Das Johanniskloster mit dem Stadtarchiv musste 2012 geräumt werden, weil der wertvolle Buchbestand mit Schimmel befallen war. In den vergangenen fast acht Jahren wurde ein ehemaliges Gebäude der DDR-Volksmarine zu einem modernen Zentraldepot umgebaut, das auch vom Stralsund-Museum genutzt wird. Die rund 120 000 Bücher sowie Urkunden und Akten wurden gereinigt. Vor zwei Jahren begann die Rückführung und Einlagerung der Bücher und Dokumente, die jetzt fast beendet ist, wie Direktor Schleinert sagte.

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