Maschinenbau : Schiffbau-Zulieferer spüren Rückenwind

Arbeiter befestigen eine riesige Schiffsschraube an einem Schiff in einer Werft. /Archivbild
Arbeiter befestigen eine riesige Schiffsschraube an einem Schiff in einer Werft. /Archivbild

Von der tonnenschweren Hauptmaschine bis zum Schiffspropeller beliefern deutsche Unternehmen Werften in aller Welt. Drei Viertel ihrer Produkte gehen in den Export - doch China hält dagegen.

svz.de von
25. Juni 2019, 15:16 Uhr

Eine Hauptsorge treibt die Maschinenbauer an, die Werften und Schiffbaubetriebe in aller Welt beliefern: Die Zukunft des freien Welthandels. «Durch den Brexit sind viele Belastungen zu erwarten»», sagte Martin Johannsmann, Vorsitzender der zuständigen Arbeitsgemeinschaft im Branchenverband VDMA, am Dienstag in Hamburg. «Viele haben die Konsequenzen noch gar nicht vollständig erfasst.»

Und in China werde der Zugang zum Markt immer stärker eingeschränkt oder drohe ganz verloren zu gehen. «Wenn wir keinen Marktzugang haben, dann kann es auch nicht sein, dass chinesische Unternehmen deutsche Firmen kaufen», sagte Johannsmann, im Hauptberuf Chef der deutschen SKF GmbH in Schweinfurt und gleichzeitig der maritimen Sparte in Hamburg. Rund 20 Prozent aller Aufträge für die Branche kommen aus China. Die Chinesen wollen selbst den Bau von hochwertigen Schiffen ausweiten und auch die Zulieferteile produzieren.

Die deutschen Zulieferbetriebe haben erstmals seit drei Jahren ihre Geschäfte ausgeweitet. Der Umsatz der Branche stieg um 1,1 Prozent auf 10,7 Milliarden Euro, teilte die Arbeitsgemeinschaft mit. «Wir sind durch die Talsohle hindurch», sagte Johannsmann. Die Zulieferer folgen damit ihren Kunden, denen es ebenfalls wieder etwas besser geht. Der Welt-Schiffbau hatte im Jahr 2016 mit rund 1000 neuen Schiffen einen Tiefpunkt erreicht. Gegenwärtig liegen die Produktionszahlen bei rund 2000 Schiffen, mit einer Perspektive auf 2500. Angesichts steigender Auftragseingänge - im vergangenen Jahr um 3,7 Prozent - werde sich der positive Trend für die Zulieferer auch im laufenden Jahr fortsetzen, sagte Johannsmann.

In den vergangenen Jahren hatten die Schiffbau-Zulieferer zwar mehr als eine Milliarde Euro Umsatz verloren, aber ihre technologisch führende Position in vielen Bereichen gehalten und sich angesichts der weltweiten Entwicklung im Schiffbau recht gut geschlagen. Das liegt auch daran, dass sie einen nennenswerten Teil ihres Umsatzes mit Serviceleistungen erzielen. Ungefähr die Hälfte des Umsatzes machen Deutschland und Europa aus, mit zunehmender Tendenz. «Das liegt natürlich an den Kreuzfahrtschiffen», sagte Johannsmann. Je teuer, komplexer und anspruchsvoller ein Schiff sei, desto höher der Anteil der Zulieferungen.

Die Zulieferer beschäftigten rund 63 000 Mitarbeiter, viele davon in Süddeutschland und Nordrhein-Westfalen. Rund drei Viertel der Wertschöpfung eines Schiffes besteht aus Zulieferungen; die Branche ist in Deutschland drei Mal so groß wie der Schiffbau selbst und stark exportorientiert. Sie arbeite stark an den Themen Digitalisierung und Green Shipping, der umweltfreundlichen Schifffahrt. «Mit unserem Vorsprung bei Innovationen können wir auch international punkten und erfolgreich sein», sagte Johannsmann. «Dazu benötigen wir aber freien Handel und faire Wettbewerbsbedingungen.»

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