Landtag : Land will doch Geld für Ferien-Schwimmkurse bereitstellen

Euro-Geldscheine. /dpa/Archivbild
Euro-Geldscheine. /dpa/Archivbild

Die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern können vielerorts den obligatorischen Schwimmunterricht nicht vollständig sicherstellen. Das hat Folgen. Etwa ein Drittel der Grundschüler kann nicht richtig schwimmen. Nun sollen Vereine und Rettungsschwimmer helfen.

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20. November 2019, 16:35 Uhr

Nach langem Zögern will Mecklenburg-Vorpommern nun doch dem Beispiel Nordrhein-Westfalens folgen und Schwimmkurse für Schüler in den Ferien finanziell unterstützen. Dazu sollen im Landeshaushalt für 2020/2021 insgesamt 50 000 Euro eingeplant werden. Der Finanzausschuss werde über diese Zusatzausgabe auf seiner Sitzung am Donnerstag abschließend beraten, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Manthei am Mittwoch in Schwerin.

In seiner Zeit als Oppositionspolitiker hatte er sich mehrfach für verbesserten Schwimmunterricht und die Einbeziehung von Schwimmvereinen und Verbänden stark gemacht, war damit bei den Koalitionsfraktionen von SPD und CDU aber auf wenig Resonanz gestoßen. Nach Auflösung der Fraktion Freie Wähler/BMV hatte sich Manthei kürzlich der CDU angeschlossen.

«Mit dem Programm sollen Anbieter von Schwimmkursen dabei unterstützt werden, in den Schulferien Schwimmkurse für Schüler ab der 1. Klasse anzubieten, die nicht sicher schwimmen können. Dazu soll jeder Kurs mit 250 Euro gefördert werden», erklärte Manthei. Fehlende Schwimmlehrer und unzureichende Kapazitäten in Schwimmhallen gelten als wesentliche Gründe dafür, dass Grundschulkinder immer häufiger nicht über sichere Schwimmfähigkeiten verfügen.

Deshalb hatte auch der DRK-Landesverband die Landesregierung zum Handeln gedrängt. Es sei erschreckend, wenn 30 Prozent aller Schüler der 3. und 4. Klasse im Land wegen fehlenden Unterrichts nicht schwimmen können, beklagte DRK-Präsident Werner Kuhn. Er hatte sich ebenfalls dafür ausgesprochen, Schwimmvereinen oder auch dem DRK und der DLRG mit ihren Rettungsschwimmern für Schwimmkurse außerhalb des Unterrichts eine finanzielle Unterstützung zu gewähren. Damit sollten Transportkosten und Hallengebühren beglichen werden. Kuhn hatte den Finanzbedarf auf etwa 200 000 Euro pro Jahr veranschlagt.

Die von CDU und SPD nun jährlich vorgesehenen 25 000 Euro für ein Landesprogramm «MV kann schwimmen» seien «schlichtweg ein Witz», befand Linksfraktionschefin Simone Oldenburg. Bei Preisen von 50 bis 150 Euro je Schwimmkurs seien zwischen 175 000 und 525 000 Euro nötig. «Wer für ein solches Programm nicht einmal 15 Prozent der notwendigen Mindestkosten bereitstellen will, springt viel zu kurz und riskiert unweigerlich eine Bauchlandung», warnte Oldenburg. Nach ihren Angaben konnten im Schuljahr 2017/2018 rund 3500 Kinder nach der 4. Klasse nicht schwimmen. Der tödliche Badeunfall einer zehnjährigen Nichtschwimmerin Anfang Juni in Tessin (Landkreis Rostock) hatte die Debatte um unzureichende Schwimmfähigkeiten bei Kindern und erhebliche Lücken im regulären Schwimmunterricht neu entfacht. Auch deshalb befasste sich der Bildungsausschuss des Landtags am Mittwoch erneut mit dem Thema. Zu einer Anhörung waren Sachverständige vom DRK-Landesverband sowie von Schulbehörden in Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen geladen.

Die DRK-Vertreter hätten dabei deutlich gemacht, dass eine bessere Aufklärung der Eltern das Bewusstsein für das Schwimmenlernen schon vor Schuleintritt erhöhen könne. «Die Erfahrungen der Wasserwacht des DRK in der Mecklenburgischen Seenplatte zeigen nämlich, dass eine Wassergewöhnung und erste Schwimmbewegungen bereits im Kita-Alter sehr positive Auswirkungen auf die späteren Schwimmfähigkeiten der Kinder haben», sagte der SPD-Abgeordnete Andreas Butzki. Doch räumte er auch ein, dass teilweise lange Fahrtwege ein Hemmnis für den Schwimmunterricht seien. Zudem sei die Unterhaltung von Schwimmhallen für kleinere Kommunen «eine große Herausforderung».

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