Industrie : Gießerei: Kurzarbeit soll Windrad-Auftragsflaute überbrücken

Ein Metallteil für eine Windkraftanlage wird in der Eisengießerei Torgelow gegossen. /dpa/Archivbild
Ein Metallteil für eine Windkraftanlage wird in der Eisengießerei Torgelow gegossen. /dpa/Archivbild

Die Gießerei in Torgelow gilt als Aushängeschild für die Windkraftbranche. Doch nun spüren auch die Vorpommern die Probleme der Branche - weil sich ein weiterer Großauftrag verzögert, ist bis Ende Juni Kurzarbeit geplant.

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28. Januar 2020, 11:18 Uhr

Die Eisengießerei Torgelow GmbH in Vorpommern - eine der führenden deutschen Gießereien für Windrad-Bauteile - will mit mehreren Monaten Kurzarbeit eine Auftragsflaute überbrücken. «Ursache ist ein Großauftrag, der sich unerwartet verzögert», sagte Geschäftsführer Peter Krumhoff in Torgelow der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit arbeiten alle 310 Mitarbeiter 40 Prozent weniger. Das sei bis Mitte 2020 geplant und mit dem Betriebsrat abgestimmt. Kann dieser Auftrag eines dänischen Kunden abgearbeitet werden, habe man Arbeit bis Mitte 2021.

«Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland machen uns aber keine Freude», sagte Krumhoff. Die Gießerei stellt schwere Rotornaben, Maschinenträger und andere Windkraftgussteile her.

In der deutschen Windkraftbranche seien durch falsche Rahmenbedingungen in den vergangenen zweieinhalb Jahren 23 000 Arbeitsplätze verloren gegangen, kritisierte der Geschäftsmann. Man brauche dringend eine Technologie, mit der Wind- und Sonnenenergie gespeichert werden kann. Außerdem müssten wieder mehr Windräder gebaut werden. Zudem sei es unverständlich, dass Einwohner im Norden mehr Windräder in Kauf nehmen, aber «immer noch extrem hohe Stromkosten tragen müssten.» Wenn der Strom mangels Leitungsnetz nicht nach Süden transportiert werden kann, sollten sich die Nordländer autark machen, forderte Krumhoff.

Die Torgelower Gießerei profitiert dabei derzeit unter anderem noch vom größten Auftrag der Firmengeschichte. Ein europäischer Konzern, der Windräder in den Vereinigten Staaten errichtet, habe Bauteile im Wert von 37 Millionen Euro in Auftrag gegeben. Die schweren Gussteile werden in Deutschland und Dänemark zu kompletten Maschinenteilen vormontiert und dann nach Nordamerika verschifft. Der Guss-Auftrag soll bis Ende 2020 erfüllt sein.

Das Unternehmen hatte nach Krumhoffs Angaben im Jahr 2018 einen Jahresumsatz von rund 50 Millionen Euro. Die Torgelower Gießerei hat eine lange Tradition, war aber nach der Wende in Probleme geraten und 2003 mit Windkraftteilen neu gestartet. Damals wurde die Firma kräftig modernisiert. Zeitweise wurden bis zu 900 Leute beschäftigt, der Jahresumsatz war auf 100 Millionen Euro gestiegen.

Die Produktion war durch den Rückgang beim Windkraftanlagenbau aber in den vergangenen Jahren gesunken. «Wir müssen eine erhebliche Technologieabwanderung aus Deutschland befürchten», kritisierte Krumhoff.

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