Verteidigung : Caffier: Wenig Auswirkungen von Nato-Manöver auf MV

Lorenz Caffier (CDU), Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern. /dpa/Archivbild
Lorenz Caffier (CDU), Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern. /dpa/Archivbild

Seit der Annexion der Krim durch Russland gilt das Verhältnis des Westens zu Russland als nachhaltig belastet. Osteuropäische Staaten fühlen sich bedroht und erwarten den Schutz durch die Nato. Ein Manöver soll die Verteidigungsfähigkeit des Militärbündnisses zeigen.

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28. Januar 2020, 16:51 Uhr

Die für das Frühjahr geplante Nato-Großübung «US Defender Europe 2020» wird nach den Worten von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) in Mecklenburg-Vorpommern kaum zu spüren sein. Der Nordosten sei nicht Manövergebiet, sondern lediglich Transitland für Fahrzeug-Konvois. Schwerlast- und Großraumtransporte seien bislang nicht angekündigt, sagte Caffier am Dienstag in Schwerin. Die für Ende Februar und Anfang März erwarteten Fahrzeugkolonnen seien nur nachts auf den Autobahnen und Landstraßen unterwegs. Daher würden sich die Einschränkungen im Straßenverkehr voraussichtlich in Grenzen halten, erklärte Caffier.

«Defender 2020» gilt als größte Truppen-Verlegeübung mit Nato-Beteiligung seit 25 Jahren. Laut Verteidigungsministerium werden insgesamt rund 37 000 Soldaten aus 18 Nationen daran teilnehmen, darunter allein 29 000 US-Militärangehörige. Der Großteil werde samt Technik aus Übersee eingeflogen oder auf Schiffen ankommen.

Etwa 1700 dieser Soldaten würden durch Mecklenburg-Vorpommern nach Polen verlegt, sagte Brigadegeneral Gerd Kropf, Kommandeur des Landeskommandos MV. Die Konvois werden nach seinen Angaben jeweils bis zu 20 Fahrzeuge umfassen. Bei Zwischenstationen in den Bundeswehrstandorten Hagenow und Torgelow würden die Soldaten verpflegt und die Technik gewartet. «Nach bisherigen Planungen sollen insgesamt 825 Militärfahrzeuge über zwei Wochen verteilt auf den Straßen des Landes unterwegs sein. Wenn das Wetter auf dem Atlantik nicht mitspielt, könnte es auch zeitliche Verzögerungen geben», sagte Kropf.

Die Marschstraße mit der Bezeichnung «Tiger Nord» verlaufe in Mecklenburg-Vorpommern größtenteils auf den Autobahnen. Die Fahrzeuge seien nicht größer als Lastwagen, Panzer würden auf der Route nicht verlegt, sagte Kropf. Der Transport der größeren Waffen und der Übungsmunition erfolge per Bahn. Nach seinen Worten werden aus dem Nordosten etwa 150 Bundeswehrsoldaten an der Sicherstellung der Truppenverlegung beteiligt sein, nicht aber an den direkten Manöverhandlungen in Polen und im Baltikum.

Caffier bedauerte, dass internationale Konflikte und Spannungen solche Übungen wieder erforderlich machten. «Es ist schade, dass dies nach so vielen Jahren wieder notwendig ist, aber die osteuropäischen Nato-Partner fühlen sich verunsichert und wollen sich, selbstverständlich mit der politischen Rückendeckung der beteiligten Regierungen, vergewissern, dass die Bündnispartner ihnen im Krisenfall beistehen.» Für eine Entspannung der Lage seien weitere Gespräche mit Russland wichtig, doch müsse die Nato auch ihre Bündnistreue zeigen. «Diese Übung dient dazu, das zu verdeutlichen», sagte Caffier.

Die Linke in Mecklenburg-Vorpommern hatte die Militärübung heftig kritisiert und die Ausrichtung gegen Russland angeprangert. Dies sei «ein widerliches politisches Signal», hieß es in einer jüngst verabschiedeten Resolution. «Es ist unerträglich, dass 75 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs ein derartiges Bedrohungsszenario aufgemacht wird und wieder Soldaten an der Grenze zu Russland stehen», erklärte der Linke-Landtagsabgeordnete Peter Ritter. Für Donnerstag kündigte auf der Schlossbrücke vor dem Landtag eine Protestaktion gegen das Nato-Manöver an. Der AfD-Abgeordnete Horst Förster erneuerte die Forderung seiner Partei: «Europas Sicherheit braucht Verständigung!»

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