Parteien : AfD wirbt um Vertrauen bei enttäuschten Konservativen

Leif-Erik Holm, gewählter Parteisprecher der AfD Mecklenburg-Vorpommern, auf dem Landesparteitag. /dpa-Zentralbild/dpa
Leif-Erik Holm, gewählter Parteisprecher der AfD Mecklenburg-Vorpommern, auf dem Landesparteitag. /dpa-Zentralbild/dpa

Die jüngsten Landtagswahlen haben der AfD Oberwasser verschafft. Sie sieht sich als Hoffnung für alle enttäuschten bürgerlich-konservativen Wähler. Gleichzeitig werden die Grünen als Hauptgegner ausgemacht.

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09. November 2019, 19:12 Uhr

Die AfD in Mecklenburg-Vorpommern will sich in den kommenden Monaten verstärkt um enttäuschte CDU-Wähler kümmern und sie zur Umorientierung bewegen. «Die CDU ist ein Anhängsel des linken Mainstreams geworden», sagte AfD-Bundeschef Alexander Gauland am Samstag beim Landesparteitag in Waren/Müritz. Sie sei eine Partei, die in Thüringen lieber einen linken Ministerpräsidenten im Amt halten möchte, als eine bürgerliche Regierung mit der AfD zu bilden. Es werde sich historisch rächen, eine Partei, die in Thüringen 25 Prozent erhalten hat, zu missachten und zu versuchen, sie ins politische Aus zu drücken, zeigte sich Gauland überzeugt. Die AfD kam bei der Landtagswahl in Thüringen auf 23,4 Prozent.

Auch der in Waren wiedergewählte Landesvorsitzende Leif-Erik Holm warb um das Vertrauen bei den bürgerlich-konservativen Menschen im Nordosten. Viele Menschen seien der Meinung, dass die AfD-Positionen zwar richtig seien. Es werde der Partei aber nicht zugetraut, dies umzusetzen, sagte er. Das fehlende Vertrauen liege an der vielfachen Diffamierung, der seine Partei ausgesetzt sei. So werde es beispielsweise immer schwieriger, Versammlungsräume zu bekommen. Vor dem Versammlungsort fanden sich am Samstagmorgen rund 250 Demonstranten ein, um ihren Protest gegen die AfD auszudrücken.

Als Co-Landessprecher wählten die knapp 300 Parteimitglieder den 65-jährigen Schweriner Kommunalpolitiker Hagen Brauer.

Die mit Spannung erwartete Debatte um eine mögliche Rückkehr des aus der Partei ausgeschlossenen früheren AfD-Co-Landesvorsitzenden Dennis Augustin, der in Waren anwesend war, fiel aus. Der entsprechende Antrag wurde zurückgezogen. Damit entfiel auch eine Auseinandersetzung um eine mögliche Führungsrolle eines gemäßigten beziehungsweise völkisch-nationalen Flügels in der Landespartei. Der Ausschluss war mit einer Mitgliedschaft bei der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten begründet worden, die er beim Eintritt in die AfD verschwiegen haben soll.

Die AfD, die im Nordosten aktuell gut 800 Mitglieder hat, müsse den Ton besser treffen, um die konservativ-bürgerlichen Menschen zu erreichen, sagte Holm. Diese Menschen seien für die CDU verloren und suchten eine neue politische Heimat. «Diese Heimat müssen wir ihnen bieten.» Es sei das Ziel bei der Landtagswahl im Herbst 2021, stärkste Kraft zu werden. Dann wären die anderen Parteien gezwungen, mit der AfD zu reden, sagte Holm.

Für den Chef der Bundespartei sind die Grünen der künftige Hauptgegner. «Gegen die Grünen müssen wir kämpfen, um dieses Vaterland zu bewahren», erklärte Gauland. Die Grünen wollten nicht nur die Industrie zerstören, sie würden auch noch die Landwirtschaft zerstören. Gauland zeigte sich überzeugt, dass der Höhenflug der Grünen beendet werde, wenn die wirtschaftliche Lage schwieriger werden sollte. In diesem Zusammenhang bezeichnete er die AfD als «letzte Hoffnung aller vernunftorientierten Pragmatiker.»

Am Tag des Mauerfalls bezeichnete Gauland den 9. November als den eigentlichen Tag der Deutschen Einheit. Im Westen sei man erstaunt gewesen, dass die Menschen im Osten an die Einheit der deutschen Nation und an den souveränen deutschen Nationalstaat geglaubt hatten. «Dieser Unterschied in dem Herangehen an den 9. November 1989 erklärt viele Wahlergebnisse von heute.» Die AfD sei die Partei, die das bürgerrechtliche Erbe des 9. November bewahre.

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