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Mecklenburg-Vorpommern

20. Oktober 2017 | 23:15 Uhr

Zwölf Schachteln Tabletten pro Kopf

vom

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erstellt am 21.Okt.2012 | 07:25 Uhr

Schwerin | Krankenkassen in MV schlagen Alarm: In keinem anderen Bundesland werden so viele und zugleich so teure Medikamente verschrieben. "Statistisch gesehen erhielt jeder Mecklenburger und Vorpommer 2011 rund zwölf Packungen Arzneimittel", so die Sprecherin der Techniker Krankenkasse (TK) in Schwerin, Heike Schmedemann. Die meisten Medikamente - durchschnittlich neun Packungen im Jahr - gingen dabei auf die Verordnung von Hausärzten zurück. Umsatzstärkste Medikamente seien Schmerz- und Rheumamittel, gefolgt von Diabetes-Medikamenten.

Nach Schmedemanns Angaben, die sich auf Statistiken des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung stützen, wurden im vergangenen Jahr hierzulande pro Kopf Medikamente im Wert von 613 Euro verordnet - "das sei nicht nur ein Viertel mehr als im Bundesdurchschnitt (491 Euro), sondern zugleich der höchste Wert aller Bundesländer".

Ein seit Jahren anhaltender Trend, der auch Markus Juhls, Sprecher der AOK Nordost in Schwerin, Sorgen bereitet. Er kann nicht nur bundesweit und über alle Kassen hinweg, sondern auch innerhalb der Dreiländerkasse vergleichen - Mecklenburg-Vorpommerns Spitzenplatz manifestiert sich dabei sogar noch mehr: "Während wir hier im Land pro Versicherten 2011 netto Medikaentenausgaben von 691,66 Euro hatten, waren es in Brandenburg nur 622,33 Euro", so Juhls.

MV würde damit im AOK-System die Spitzenposition einnehmen. Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung (KVMV) im Land hätten eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um diese Situation zu hinterfragen, so Juhls.

Für Dr. Dieter Kreye, stellvertretender Chef der KVMV, ist an den Zahlen der Krankenkassen nicht zu rütteln. Allein demografische Faktoren als Gründe anzuführen, sei allerdings nicht gerechtfertigt: "Anfang der 90er-Jahre waren wir noch das jüngste Bundesland - und auch da lag Mecklenburg-Vorpommern bei den Arzneikosten schon vorn." Um die Unterschiede begründen zu können, brauche man auch die Diagnosen aus anderen Bundesländern. Einfluss auf die Arzneimittelkosten habe auch, wie lange Patienten im Krankenhaus behandelt würden - für diese Zeit würden die Medikamente von den Krankenkassen aus einem anderen Topf bezahlt, tauchten also in der Statistik der niedergelassenen Ärzte nicht auf. "Und wir haben nun mal im bundesweiten Vergleich mit die niedrigsten Krankenhausverweildauern", weiß Kreye.

Schließlich könnte aus seiner Sicht auch die Arbeitsüberlastung der Hausärzte in MV zu den hohen Medikamentenausgaben beitragen. "In den Wartezimmern hier sitzen ein Viertel mehr Patienten als in anderen Bundesländern", so Kreye. Mancher Arzt würde dadurch derart unter Zeitdruck geraten, dass er lieber schnell ein Rezept ausstellt, statt den Patienten von einer anderen Behandlung zu überzeugen.

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