Schlösser in MV : Zwischen Rosen und Bäumen

Unter Denkmalschutz: Das Gutshaus wurde vom Doberaner Baumeister Severin entworfen.  Fotos: Dörte Rahming
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Unter Denkmalschutz: Das Gutshaus wurde vom Doberaner Baumeister Severin entworfen. Fotos: Dörte Rahming

Das romantische Waldgut Rosenhagen eignet sich für Ferien und Feste. Ehepaar Rutzen empfängt hier gern ihre Gäste

svz.de von
18. Juli 2015, 16:00 Uhr

Es wird nicht oft vorkommen, dass auf diesem schmalen Teerweg durch die grünwogenden Kornfelder ein Auto einem anderen ausweichen muss – hier draußen ist nicht viel los. Wer anhält, hört nur Zwitschern und Summen durch das geöffnete Fenster. Nach einigen Kilometern durch diese Idylle – nur eine halbe Stunde von der Großstadt Rostock entfernt - endet der Weg in Rosenhagen. Bewacht von einem Keiler auf einem Sockel, steht das 180 Jahre alte Gutshaus am Rande des Dorfes, umgeben von einem Park mit Teich, Rosen und drei Eichen, die deutlich älter sind als das Haus.

Hans und Anke Rutzen stammen aus Niedersachsen und leben seit zwanzig Jahren in Rosenhagen. Hans Rutzen ist ein seit 1990 pensionierter Forstbeamter, aber agil wie mancher nicht mit Mitte fünfzig – ganz nebenbei fängt er mit einer Hand die Fliege, die sich auf seinem Bein niedergelassen hat. Als die beiden nach der Wende das Land kennenlernten, waren sie begeistert. „Ich hatte es mir nicht träumen lassen, wie schön es ist“, sagt Anke Rutzen. „Wir wollten hier leben, aber es war gar nicht so einfach, ein Haus zu finden. So ein großes wie dieses hätte es gar nicht sein sollen.“

Und dann: Rosenhagen. „Als man uns das Gutshaus anbot, war es praktisch eine Ruine“, erinnert sich die Hausherrin. „Aber es ähnelte unserem ehemaligen Haus sehr, und so blieben wir. Es war wohl eine Fügung.“ Dabei war es bereits zum Abschuss freigeben – im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Kampfgruppe der DDR sollte es schon 1988 zu Übungszwecken sprengen, erzählt Hans Rutzen. „Es stand seit anderthalb Jahren leer, war zum Großteil eingefallen, hatte vier große Deckendurchbrüche, als wir es übernahmen. Durch Feuchtigkeit und Fäulnis stank es bestialisch, Tiere hatten ihre Spuren hinterlassen.“

Zu DDR-Zeiten war das Gutshaus – wie viele seiner Art – als Kindergarten und Betriebsküche, Büro und Wohnraum genutzt worden. Die letzte Mieterin, so erzählt man, hätte jahrelang mit 30 Katzen darin gelebt. Sie, die Rutzens, seien für verrückt erklärt worden, so eine Bruchbude zu kaufen. Die Halle war gefahrlos zu betreten, doch schon im Nachbarraum war der Fußboden zu morsch. Mit sieben Hunden, etlichen Pappkartons und einem Bett zogen sie dennoch ein, lebten fast zwei Jahre auf einer Baustelle, zogen von einem Raum in den anderen.

Zu den Dorfbewohnern fand das Ehepaar schnell Kontakt. „Eines Tages standen unvermittelt drei Männer vor der Tür und wollten anfangen“, erzählt Hans Rutzen. „Als ich fragte, womit anfangen, meinten sie, du wolltest doch das Dach fertig machen – sie kamen von allein, um uns zu helfen.“ Im April feierten Rutzens ihr 20-jähriges Jubiläum zusammen mit den Rosenhagenern. Die warmherzige Art des alten Ehepaars nimmt ihre Gäste sofort gefangen. Sie kommen in ein stilvoll eingerichtetes, innen wie außen denkmalgeschütztes Haus.

Die drei Ferienwohnungen im Obergeschoss sind alle unterschiedlich eingerichtet – zum Teil mit antiken Möbeln. Der Park lockt mit Wiese, Blumen und Damwild im Gehege nebenan. Rostock, Wismar und natürlich die Ostsee sind schnell zu erreichen. Und die Festtafel im Saal reicht für 25 Personen, Tafelsilber und Goldrandgeschirr inklusive.

Haus und Grundstück machen viel Spaß, aber auch viel Arbeit, sagen die Rutzens. Wenn die Stadtmenschen also Lust haben, mal eine Axt oder anderes Gerät in die Hand zu nehmen, um sich auf diese Art zu bewegen, sind sie herzlich willkommen mitzumachen. Denn hier bleibt immer etwas zu tun.

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