Zweite Feuersäule gesichtet

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15. Januar 2008, 02:23 Uhr

Wittenberge/Gadebusch - Genau wie die zwei Schülerinnen dachte Ilona Militsch Ende November zunächst an einen Wirbelsturm. „An eine Windhose, einen Tornado oder etwas anderes in der Art“, sagt sie. Doch anders als die Mädchen hat sie das Phänomen nicht am helllichten Tage, sondern spät abends entdeckt. „Es muss zwischen 22.30 Uhr und 23 Uhr gewesen sein. Ich stand am Fenster unseres Schlafzimmers und plötzlich war es da.“

Scheinbar bewegte es sich auf sie zu. Ilona Militsch bekam Angst, spürte eine aufkommende Panik, begann zu zittern. „Ich duckte mich, befürchtete eine Katastrophe. Ich dachte, hier fliegt gleich alles weg.“ Das unbekannte Flugobjekt wurde immer heller, entwickelte die von Tornados bekannte Schlauchform. „Das untere Ende sah aus, wie ein richtiger Feuerball und dann war es plötzlich weg, so, als wäre es nie dort gewesen“, erinnert sich die Wittenbergerin.

Am nächsten Tag hörte sie im Radio stündlich die Nachrichten, schaltete den Fernseher ein. „Irgendein Bericht muss doch darüber kommen, dachte ich. Vielleicht war es ja auch ein Flugzeugabsturz“, vermutete sie. Doch nichts geschah. Weder wurde über das Ufo berichtet, noch gab es Meldungen von einem Unglück.

Ilona Militsch erzählte nur ihrem Mann von der Beobachtung, sonst niemandem. Der war zwar im Haus, hörte seine Frau auch aufgeregt rufen, hat das Objekt aber selbst nicht mehr gesehen. Seine Vermutung war, dass es ein Meteorit gewesen sein könnte.

Als unsere Zeitung am Sonnabend und gestern das Foto von den Gadebuscher Mädchen abdruckte, kamen die Erinnerungen zurück. „Ich musste Ihnen davon erzählen, denn ich hab’s erlebt, will es nicht länger verschweigen“, sagte Ilona Militsch.

Unterdessen haben gestern in Gadebusch Ufo-Forscher mit ihrer Arbeit begonnen. Sie erstellten eine erste vorläufige Analyse über das Himmelsphänomen. Die Mitglieder der „Gesellschaft zur Untersuchung von anomalen atmosphärischen und Radar-Erscheinungen“ bezeichnen diese These als momentan plausibelste Erklärung.

Experten schließen Flugzeug-Absturz aus
Was auf bisher veröffentlichten Fotos aussieht wie eine hunderte Meter hohe Rauch- und eine Feuersäule könnte nach Meinung der Ufo-Forschern ein in dieser Form sehr selten zu beobachtender Kondensstreifen eines Militärjets sein: „Während die Sonne aufging, tauchte sie langsam zuerst den oberen Teil und dann immer tiefer gelegene Teile in helles Sonnenlicht. Als der gesamte Streifen im Sonnenlicht lag, leuchtete der untere Teil am hellsten, weil hier die (Wassertröpfchen-)Dichte des Streifens am höchsten war.“

Die ungewöhnliche Form könne auch durch das schnelle Wechseln der Flughöhe, durch das Ein- und Ausschalten von Nachbrennern beeinflusst worden sein. Den Absturz eines massiven Objekts schließen die Ufo-Forscher um Horst-Christian Meyer inzwischen aus. „Solche Abstürze – egal ob Flugzeug, Drohne, Ballon, Weltraumschrott oder Meteorit – dauern nur wenige Sekunden“, verdeutlicht Meyer.

Bei der Magdeburger Ufo-Forscherin Ute Hoffmann haben sich inzwischen weitere mögliche Augenzeugen des Himmelsphänomens unter der Telefon-Hotline 09560/921021 gemeldet. „Darunter war auch ein Anrufer, der am Himmel eine Rauchsäule mit einem glänzenden Punkt gesehen hat“, berichtet Hoffmann.

Zivil-Maschine aus Richtung Nordost
Die Deutsche Luftwaffe interessiert sich ebenfalls für das Geschehen. Die Abteilung Flugbetrieb des Luftwaffenamtes Köln überprüfte gestern, ob zu dem Zeitpunkt Militärmaschinen am Himmel waren. Ergebnis: negativ. Aber: In exakt 11 582 Metern und 40 Zentimetern Höhe näherte sich zu dem Zeitpunkt eine zivile Maschine aus Richtung Nordost und zog über Gadebusch hinweg. „Das könnte die einfachste Erklärung sein“, sagte ein Sprecher der Luftwaffe.

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