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Lindenstraße in Schlagbrügge : Zweimal am Tag kam die Grenzpolizei

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Brüder Jörg und Gerd Raasch leben seit ihrer Geburt in der Lindenstraße von Schlagbrügge

svz.de von
erstellt am 29.Sep.2014 | 12:00 Uhr

In Schwerin führt sie direkt an der Schelfkirche entlang, in Rostock beheimatet sie das Jugendalternativzentrum und in Perleberg ist sie der Sitz des Amtsgerichts – die Lindenstraße. Nach Angaben des Online-Portals Straßenweb tragen fast 11 000 Wege, Alleen und Passagen in Deutschland den gleichen Namen wie die berühmte ARD-Abendserie. In Brandenburg sind mehr als 600 Lindenstraßen verzeichnet, in MV fast 400. Eine davon liegt im beschaulichen Schlagbrügge, einem Ortsteil von Schlagsdorf. Hier ist die Familie Raasch zu Hause.

Jörg Raasch (54) lebt seit seiner Geburt in dem Haus mit der Nummer 5, gemeinsam mit seiner Frau. Seine vier Kinder sind längst ausgezogen. Sein jüngerer Bruder Gerd (49) wohnt zusammen mit seiner Lebensgefährtin direkt gegenüber.

Die Brüder haben eine behütete Kindheit und eine aufregende Jugend in der Schlagbrügger Lindenstraße verbracht. Das Besondere: Die Straße lag in unmittelbarer Nähe zur einstigen innerdeutschen Grenze. „Die Grenzpolizei kam zweimal am Tag vorbei, morgens und abends“, erzählt Jörg Raasch. „Nachts zu angeln, war nicht gern gesehen. Und Leitern durften nicht draußen stehen. Sie hätten ja gestohlen werden können, um damit über den Grenzzaun in den Westen zu fliehen.“ Wer die Raaschs besuchen wollte, musste einen Passierschein beantragen. So auch ihre Schwester, die damals in Gadebusch wohnte. Was für viele unfassbar klingt, war für die beiden Alltag. „Wir sind damit aufgewachsen. Das war eben so“, sagt Jörg Raasch.

Der 54-jährige Heizungsinstallateur vermisst die Zeit, in der die Lindenstraße noch ein idyllisches Fleckchen war. „Früher war es hier schön ruhig. Als Kinder haben wir oft auf der Straße Treibball gespielt“, erzählt er. Heute wäre das undenkbar: Denn mittlerweile rauschen hunderte Autos die Lindenstraße entlang. Im nur wenige Kilometer entfernten Schönberg ist die Anschlussstelle zur Autobahn 20. „Früher war durch die Grenze in Schlagsdorf Schluss, heute liegen wir zentral und kommen schnell überall hin. Das will man auch nicht mehr missen“, sagt Gerd Raasch. Das Dorf liegt nur wenige Kilometer von Ratzeburg und Lübeck entfernt.

Der Lagerist denkt gern an die Tage zurück, in der die Nachbarn der Lindenstraße sich zusammensetzten und bei einem Bierchen Klönschnack hielten. „Wir hatten alle Viehzeug, da hat man sich gegenseitig geholfen. Der Zusammenhalt war groß. Heute macht jeder sein eigenes Ding.“ Familie Raasch hatte damals Kühe, Pferde, Schweine und Hühner.

Der Alltag sei immer sehr ruhig in der Lindenstraße gewesen. Skandale wie in der gleichnamigen Sendung habe es nicht gegeben. „Hier ist eigentlich nie etwas Aufregendes passiert“, so Jörg Raasch. Selbst die Einwohner seien größtenteils noch die gleichen. Auch Jörg und Gerd Raasch wollen für immer in Schlagbrügge wohnen bleiben.

Die Brüder kennen die Serie, schauen sie aber nicht. „Ich habe sie vielleicht einmal gesehen“, sagt Jörg Raasch. Von Mutter Beimer habe er aber schon gehört.

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