Ärztliche Versorgung älterer Menschen : Zweigpraxen als Erfolgsmodell der Zukunft

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Die flächendeckende Versorgung durch Hausärzte kann nach Ansicht des Greifswalder Mediziners Wolfgang Hoffmann nur noch gewährleistet werden, weil ihnen die Eröffnung von Zweigpraxen genehmigt wurde.

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11. September 2012, 07:57 Uhr

Schwerin | Bei der Lösung der Probleme in der ärztlichen Versorgung älterer Menschen darf es nach Ansicht des Greifswalder Mediziners Wolfgang Hoffmann keine Denkverbote geben. Der Direktor des Instituts für Community Medicine erörterte gestern auf dem Sozialgipfel in Schwerin die medizinische Versorgung in der Region Vorpommern, die sein Institut untersuchte. Demnach kann die flächendeckende Versorgung durch Hausärzte nur noch gewährleistet werden, weil ihnen die Eröffnung von Zweigpraxen genehmigt wurde.

"Das war ein kluger Schritt", sagte Hoffmann. In Zweigpraxen in kleinen Orten halten Hausärzte mehrmals pro Woche Sprechstunden ab. "Allerdings müssen die Patienten zu den Hausärzten hinkommen", sagte Hoffmann.

Der Untersuchung zufolge erreichen Patienten mit dem Auto meist in fünf bis 19 Minuten einen Hausarzt. Zugang zu einem Auto hätten die meisten älteren Menschen in größeren Familien, aber wenige Alleinlebende. 40 Prozent der Männer, aber nur 10 Prozent der Frauen über 80, die allein leben, hätten Zugriff auf ein Auto. Die anderen seien auf Busse angewiesen. Schon jetzt sei es für 2,3 Prozent der Bevölkerung in Vorpommern unmöglich, an einem Tag mit dem Bus zum Hausarzt und zurück zu kommen. "Hier ist die Politik gefragt, das Problem kann die kommunale Selbstverwaltung nicht lösen", meinte er.

Das Problem werde noch größer, da viele Hausärzte in Vorpommern zwischen 60 und 70 Jahre alt seien und bald in den Ruhestand gingen. Im ganzen Land werden dem Mediziner zufolge bis 2020 etwa 40 Prozent neue Hausärzte gebraucht, ebenso viele Neurologen und Kinderärzte. "Die werden wir nicht bekommen", sagte er. Hinzu komme, dass ältere Menschen häufiger zum Arzt müssten, was in der Bedarfsplanung nicht berücksichtigt sei. Deshalb müssten neue Wege ausprobiert werden.

Der Sozialgipfel wurde vom Sozialverband VdK, der Volkssolidarität und dem Sozialverband Deutschland veranstaltet.

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