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Mecklenburg-Vorpommern

13. Dezember 2017 | 21:55 Uhr

Ludwigslust/Berlin : Zwei Wünsche für Wulff

vom

Ungefähr 30 Sekunden Zeit für ein Gespräch hatte jeder der Gäste, die am Donnerstag zum diesjährigen Empfang des Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue in Berlin eingeladen waren. So auch ein Bürger aus Ludwigslust.

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erstellt am 13.Jan.2012 | 10:04 Uhr

Ludwigslust/Berlin | Ungefähr 30 Sekunden Zeit für ein Gespräch hatte jeder der Gäste, die am Donnerstag zum diesjährigen Empfang des Bundespräsidenten ins Schloss Bellevue in Berlin eingeladen waren. Einer von insgesamt 80 Bürgern aus dem gesamten Land, die neben Repräsentanten aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens wegen ihrer Verdienste um das Gemeinwohl eingeladen waren, ist Dietrich Sabban aus Ludwigslust. Der frühere Agrarexperte und nach seiner Pensionierung inzwischen vor allem als erfolgreicher plattdeutscher Autor bekannte Mecklenburger wollte seine 30 Sekunden für zwei Wünsche an Christian und Bettina Wulff nutzen. Der Bundespräsident antwortete so schlagfertig wie vielsagend.

Hohe Anerkennung für Einsatz für die plattdeutsche Sprache

Er sei schon sehr überrascht gewesen, als er Anfang Dezember die offizielle Einladung aus dem Bundespräsidialamt erhalten habe, wonach sich Herr Bundespräsident und Frau Wulff freuen würden, "Sie am Donnerstag, dem 12. Januar 2012, um 10.00 Uhr zum Neujahrsempfang in Schloss Bellevue begrüßen zu können", erzählt Sabban in seiner Wohnung in der Ludwigsluster John-Brinckman-Straße.

Damals hatte gerade erst begonnen, was heute unter dem Stichwort Kredit- und Medienaffäre des Bundespräsidenten politisches Tagesgespräch und immer neue Enthüllungen wert ist. Mit welchen Gefühlen reist man in einer solchen Situation nach Berlin? Trotzdem stolz? Enttäuscht? Oder eher kritisch? Und was meinte Dietrich Sabban zu der Frage, ob der Bundespräsident im Amt bleiben solle oder nicht? "Dieses Thema war für mich von gar keinem Interesse. Ich war nämlich eingeladen vom Bundespräsidenten. Ob der nun Wulff oder anders hieß, das war für mich nicht von Belang. Es sollte eine Wertschätzung für Aktivitäten von engagierten Bürgern auf vielen Gebieten sein. Und daher hat mich das überhaupt nicht interessiert. "

Natürlich habe er sich gefreut, wenn das, was man in seiner "zweiten Karriere macht, so hohe Wertschätzung erfährt". Unmittelbar nach dem Ende seines Beruflebens, das ihn im Auftrage der DDR-Regierung auch ins Ausland geführt hatte, begann Sabban Anfang 2000 zu schreiben, zunächst ausschließlich plattdeutsch und von Anfang an ziemlich erfolgreich. So erhielt er für seinen Debütband "In mienen Rückspeigel käken" (In meinen Rückspiegel geschaut) 2008 den Fritz-Reuter-Preis - und auch heute noch jedes Mal viel Beifall bei seinen zahlreichen Lesungen. Die gesamte Atmosphäre im Bellevue empfand der Gast aus Ludwigslust als sehr menschlich und volksnah. Er habe zudem den Eindruck gehabt, dass keiner der nach Berlin eingeladenen ehrenamtlich engagierten Bürger Wulff mit dieser Problematik konfrontieren wollte. "Die gehörte da einfach nicht hin." Dieser Ansicht waren offenbar auch die anderen drei Gäste aus Mecklenburg-Vorpommern: Lehrerin Doris Hildebrant-Ott aus Spornitz und Tischlermeister Hans-Werner Mrowiec aus Grabow (ebenfalls Landkreis Ludwigslust-Parchim) sowie Grönfingers-Geschäftsführer Thomas Heinemann aus Rostock.

Die vieldeutige Antwort des Bundespräsidenten

Genau in diesem menschlich-respektvollen Sinne hatte sich auch Dietrich Sabban an Christian Wulff gewandt. In seinen 30 Sekunden sagte er, dass er ihm - wäre er der Geist aus der Flasche - zwei Wünsche erfüllen würde. Und dass er sich freuen würde, gingen diese in Erfüllung. Der Bundespräsident habe ihm ein wenig bewegt geantwortet: "Schönen Dank für diese Bemerkung. Ich wäre schon mit einem Wunsch zufrieden." Und Sabban wäre kein Schriftsteller, würde er nicht darüber nachdenken, wie er seinen Besuch in Bellevue literarisch verarbeitet. Überraschend gibt es dann außerdem doch noch eine klare Ansage: "An seiner Stelle hätte ich schon längst meinen Hut genommen."


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