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Politikerwitze : „Zwei Ossis treffen sich auf Arbeit“

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Hans Peter Brugger und Ralph Kappes haben in ihrem Buch „Die Lieblingswitze deutscher Politiker“ zusammengefasst. Zahlreiche Spitzenpolitiker haben mitgemacht und ihre lustigsten Witze erzählt.

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erstellt am 25.Apr.2013 | 09:27 Uhr

„Angela Merkel gibt es jetzt auch als Barbie-Puppe - für 300 Euro. Das heißt, die Puppe kostet nur 20 Euro, aber richtig teuer werden die 40 Hosenanzüge.“ Dieser Witz über seine Chefin hing Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) noch lange nach. Sein erster Bierzelt-Auftritt 2010 beim Gillamoos-Volksfest im bayerischen Abensberg schlug hohe Wellen. „Ich habe schon immer Witze über meine Chefs gemacht“, sagte Rösler und versuchte, die Wogen zu glätten. Waren es im Zeitalter der Monarchie und des Absolutismus nur die Hofnarren, die Witze über den König machen durften, sind die Hierarchien in der parlamentarischen Demokratie zwar nicht mehr so ausgeprägt, sagt der Erfurter Lachforscher Eckart Schörle. Wie der Fall Rösler zeigt, können Witze in der Politik aber dennoch eine äußerst schwierige Angelegenheit sein - und im dramatischsten Fall nicht weniger als einen politischen Flächenbrand auslösen. Dennoch haben zahlreiche deutsche Politiker ihren Lieblingswitz erzählt. Die Herausgeber Hans Peter Brugger und Ralph Kappes haben sie zu dem Buch „Die Lieblingswitze deutscher Politiker“ zusammengefasst, das im Münchner Riva-Verlag erschienen ist.

Das Buch zeigt vor allem eins: Politik ist zwar eine ernste, ja staatstragende Sache, doch das muss nicht immer so sein. So bedankt sich Wolfgang Bosbach (CDU) sogar ganz ausdrücklich für die Anfrage - „insbesondere dafür, dass in Ihrem Schreiben Begriffe wie Euro oder Griechenland nicht auftauchen. Sie haben meinen Tag gerettet“. Er lache gern und regelmäßig, schreibt Bosbach. „Obwohl es ehrlich gesagt in den letzten Wochen, zumindest hier in Berlin, nicht sehr viel zu lachen gab.“ Die Witze, die Brugger und Kappes zusammengetragen haben, reichen von hintersinnig bis deftig - und sind im Wahljahr 2013 mit Bundestags- und Landtagswahlen gerne auch kleine Abrechnungen mit dem politischen Gegner. „Politikerwitze haben meist eine Gemeinsamkeit: sie sind in der Regel nicht neu“, sagt Schörle. „Einigen der hier versammelten Witze merkt man an, dass sie aus einer anderen Zeit stammen, aus der gemütlichen Bonner Republik, in der es noch klare Fronten und Parteilager gab.“

So nimmt Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sich die Roten vor: „Ein Sozialdemokrat benötigt einen Herzschrittmacher. Der Arzt fragt: ,Einen roten oder einen schwarzen?‘ Der Patient: ,Natürlich einen roten.‘ Der Sozi geht nach der Operation zum Arzt: ,Man sieht doch von außen gar nicht, ob rot oder schwarz. Was ist denn der Unterschied?‘ Der Arzt: ,Der rote arbeitet nur 35 Stunden in der Woche.‘“
Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) erzählt den seiner Ansicht nach „kürzesten und zugleich bittersten Witz von den/über die Ostdeutschen: „Zwei Ossis treffen sich auf Arbeit.“

FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle, zuletzt wegen seines zotigen Dirndl-Spruchs, eines „Herrenwitzes“, in den Schlagzeilen, macht jetzt einen Witz über die Kommunisten, den er einmal in der „London Times“ gelesen hat: „Warum operiert der KGB immer in Dreier-Teams? Einer kann lesen, einer kann schreiben, der dritte überwacht die beiden Intellektuellen.“

Ex-Bundespräsident Walter Scheel (FDP) setzt sich mit dem höchsten Amt im Staat auseinander: „Der Bundespräsident besucht die Einweihung einer Irrenanstalt. Beim Gespräch mit den ersten Bewohnern wird er von einem Patienten gefragt: ,Was sind Sie von Beruf?‘ Erwidert der Bundespräsident: ,Ich bin Bundespräsident!‘ Sagt der Patient: ,Sehen Sie, so hat es bei mir auch angefangen.‘“

Nicht alle angeschriebenen Politiker rückten ihren Lieblings-Witz heraus, wie die Herausgeber im Buch schreiben. So antwortete Ex-Außenminister Klaus Kinkel (FDP): „Ich bin überhaupt kein Witzeerzähler und Witzefreund.“ Er entschuldigte sich und empfahl: „Wenden Sie sich an Genscher. Er ist ein Witze-Freak.“ Das haben Brugger und Kappes getan. Doch auch Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) hält es eher unpolitisch: „Eva fragt Adam: ,Liebst Du mich?‘ Adam: ,Wen sonst?" Dieser Witz scheint sich rumgesprochen zu haben bei den Liberalen: FDP-Staatsministerin Cornelia Pieper erzählt im Buch den gleichen. „Politiker müssen nicht komisch sein“, sagt Schörle. „Und bei manchen würden wir uns wünschen, dass sie lieber auf den einen oder andern schalen Gag verzichten. Auch der schlechte alte Herrenwitz ist – wie wir leidlich wissen – noch keineswegs ausgestorben.“

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