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Unterricht ohne Lehramtsabschluss : Zwei-Klassen-Gesellschaft im Lehrerzimmer

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Der klassische Lehrer wird seltener. An den Schulen des Landes arbeitet eine wachsende Zahl von Lehrkräften ohne anerkannte Lehramtsprüfung. Tendenz steigend. Gewerkschaften warnen vor dieser Entwicklung.

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erstellt am 22.Aug.2012 | 08:25 Uhr

Schwerin | Der klassische Lehrer wird seltener. An den Schulen des Landes arbeitet eine wachsende Zahl von Lehrkräften ohne anerkannte Lehramtsprüfung. Tendenz steigend - wenn es nach dem Zehn-Punkte-Programm gegen Unterrichtsausfall von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) geht. Gewerkschaften warnen vor dieser Entwicklung. "Wir sehen dadurch die Qualität der Bildung in Gefahr", sagte Annette Lindner, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

An öffentlichen allgemein bildenden Schulen haben im vergangenen Schuljahr 76 hauptberufliche Lehrkräfte - 0,8 Prozent - ohne Lehramtsabschluss unterrichtet, an öffentlichen beruflichen Schulen waren es 202 - fast 14 Prozent. Das geht aus der amtlichen Statistik des Bildungsministeriums hervor. Auf Anfrage heißt es: "Perspektivisch wird die Notwendigkeit, Seiteneinsteiger einzustellen, eher zunehmen, vor allem im Bereich der beruflichen Schulen." Dort sind Querein steiger aus der Praxis wegen ihrer speziellen Kenntnisse zwar durchaus gefragt, doch beklagen Schulleiter eine stetige Abnahme der Einstiegsvoraussetzungen. Hatten sich noch vor Jahren insbesondere Meister zu Berufsschullehrern qualifiziert, kommen nun verstärkt Facharbeiter. Eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Lehrerzimmer, die vielen studierten Pädagogen missfällt.

Um berufsfremdes Personal für den Lehrerjob zu qualifizieren, bietet das Bildungsministerium zwei Wege an: Der berufsbegleitende Vorbereitungsdienst ist für Hochschulabsolventen mit einer dem ersten Staatsexamen vergleichbaren Prüfung gedacht. Auch kann zugelassen werden, wer einen Diplomabschluss und dreijährige Unterrichtspraxis hat. In diesem Schuljahr nutzen elf Lehrkräfte von beruflichen Schulen diese Chance. Darüber hinaus ermöglicht der Seiteneinsteigererlass, durch einjährige Fortbildung parallel zum Unterricht eine Lehrbefähigung zu erlangen. Das kommt für Hochschulabsolventen mit Abschluss auf einem lehrplantauglichen Spezialgebiet in Betracht, zum Beispiel Mathematik. Im Februar dieses Jahres haben vier Lehrkräfte mit der Qualifikation begonnen, zwei im Bereich Gymnasium, die anderen für Grund- beziehungsweise Regionalschule.

Ende Mai hatte Bildungsminister Brodkorb ein Programm zur besseren Absicherung des Unterrichts vorgestellt. Unter anderem sollen sich demnach die Schulen bereits für Lehramtsstudenten und anderes Personal öffnen, sofern es geeignet ist, Unterricht zu erteilen. Voraussetzung sei aber, so betonte der Minister, die Zustimmung des Lehrerhauptpersonalrates.

Die GEW ist skeptisch. "Wir fordern das Land auf, gemeinsam alle Anstrengungen zu unternehmen, Bedarfe besser zu planen und die Attraktivität des Lehrerberufes kurzfristig deutlich durch eine bessere Vergütung für Berufseinsteiger und bessere Arbeitsbedingungen zu erhöhen", sagte Annett Lindner. Ihre Messlatte für Seiteneinsteiger: "Wir fordern, dass sie an allgemeinbildenden Schulen mindestens einen akademischen Abschluss in einer Fachlichkeit der Stundentafel haben." An beruflichen Schulen sei eine berufsbegleitende Qualifikation im pädagogischen Bereich unerlässlich.

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