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Aus dem Gerichtssaal : Zwei Kinder aus zwei Vergewaltigungen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gericht arbeitet Beziehungstat auf. 56 Jahre alter Angeklagter gesteht

von
erstellt am 09.Sep.2016 | 21:00 Uhr

Ein 56-jähriger Gelegenheitsarbeiter hat vor dem Schweriner Landgericht gestanden, 2013 eine damals 33-jährige Bekannte in deren Wohnung im Stadtteil Großer Dreesch vergewaltigt zu haben. Die Frau zeigte ihn allerdings erst in diesem Frühjahr an. Der Angeklagte wollte sich offenbar ein Besuchsrecht zu dem inzwischen zwei Jahre alten Jungen erstreiten, den er durch die Vergewaltigung gezeugt hatte. Als die Mutter dies verhindern wollte, offenbarte sie gegenüber den Behörden die Vergewaltigung.

Es ist eine dieser verzwickten Beziehungstaten, die in einem sogenannten schwierigen Milieu geschah, über die der Vorsitzende Richter Armin Lessel und seine Kolleginnen nun zu befinden haben. Und sie hat eine Vorgeschichte, die erst durch die aktuellen Ermittlungen ans Licht kam.

Der Angeklagte und die 20 Jahre jüngere Frau kannten sich bereits, als sie noch ein Kind war. Er war mit der Tante der Frau verheiratet, alle drei lebten unter einem Dach. Bereits damals missbrauchte er das Mädchen mehrfach, wenn seine Ehefrau arbeiten war. Und bereits 1997, sie war gerade 18 Jahre alt, wurde sie zum ersten Mal von ihm schwanger. Als die Ehefrau von dem Verhältnis ihres Mannes mit der Nichte erfuhr, schmiss sie die beiden raus. Für eine Weile teilte sich das ungleiche Paar noch eine Wohnung. Dann wuchs das erste Kind aus dieser Beziehung bei einer Pflegefamilie auf.

Über Jahre sahen die beiden sich angeblich nicht. Zwischen 2008 und 2011 saß der Angeklagte wegen einer anderen Tat im Gefängnis. Als sie sich 2013 auf der Straße trafen, habe die damals 33-jährige ihn eingeladen, gelegentlich zum Kaffee vorbeizukommen, behauptete der Angeklagte. Beim Besuch wenige Tage später habe er, so räumte er ein, „gegen ihren Willen und obwohl sie sich wehrte“ Sex mit ihr gehabt. Als der Mann sie im schwangeren Zustand wiedersah, begann er, väterliche Rechte wie ein späteres Besuchsrecht einzufordern.

Die Vergewaltigte bekundete als Zeugin vor Gericht, wenn sie den Angeklagten sieht, gehe es ihr „dreckig“. Sie habe Angst, „dass er mich anfasst und wieder ins Bett zerrt“. Er wolle „immer Kinder machen“. Sie hofft, dass er für seine Taten ins Gefängnis muss. Lieber wäre es ihr noch, wenn er monatlich „Schmerzensgeld“ an sie zahlen müsste. Der Prozess wird fortgesetzt.

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