NS-Hinterlassenschaft : Zwei Kaufinteressenten für Prora-Block 5

Blick auf das leerstehende Gebäude Block 5 im denkmalgeschützten Komplex Prora.
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Blick auf das leerstehende Gebäude Block 5 im denkmalgeschützten Komplex Prora.

Der Landkreis Vorpommern-Rügen will den unsanierten Teil von Block 5 der NS-Hinterlassenschaft Prora verkaufen. Zwei Interessenten haben Gebote abgegeben. Prora-Entwickler Ulrich Busch ist nicht dabei.

svz.de von
12. Juli 2018, 20:45 Uhr

Im Bieterverfahren um den Verkauf von Block 5 der NS-Hinterlassenschaft Prora auf der Insel Rügen haben zwei Interessenten ein Gebot abgegeben. Wie ein Sprecher des Kreises Vorpommern-Rügen nach Ablauf der Bieterfrist am Donnerstag sagte, werden die Gebote zunächst verglichen und bewertet. Dazu soll sich am 18. Juli eine Arbeitsgruppe des Kreises treffen. Zu den Bietern und zur Höhe der Gebote machte der Kreis keine Angaben. Der Kreistag soll möglichst Anfang Oktober über Käufer und Kaufvertrag abstimmen. Mit der Anzahl der eingegangenen Gebote sei er zufrieden, zumal die Anforderungen in der Ausschreibung recht hoch gewesen seien, sagte Landrat Ralf Drescher (CDU). „Jetzt muss geprüft werden.“

Der Kreistag hatte im März den Weg für den Verkauf und damit die Sanierung des etwa 300 Meter langen Abschnitts freigemacht. Der insgesamt 450 Meter lange Block 5 ist der letzte der einst von den Nazis als „Seebad der 20 000“ geplanten Anlage, der noch in öffentlicher Hand ist. In dem zum Verkauf angebotenen Areal sollen Wohnungen entstehen. Auch ein Dokumentations- und Bildungszentrum zur Geschichte von Prora ist geplant. Im sanierten Teil des Blockes ist seit 2011 eine Jugendherberge beheimatet.

Prora-Entwickler Ulrich Busch hat sich entgegen früherer Ankündigungen nicht am Bieterverfahren beteiligt. Wie sein Sprecher sagte, sei Busch mit einem anderen Neubauprojekt in Prora befasst. Busch, Sohn des Arbeitersängers Ernst Busch (1900-1980), hatte im Jahr 2006 die ersten beiden Blöcke von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erworben und zur Baureife geführt.

Die Anlage war 1936 von den Nationalsozialisten als 4,5 Kilometer lange Ferienanlage konzipiert und im Rohbau errichtet worden. Mit Kriegsausbruch wurden die Arbeiten eingestellt. Die DDR baute Prora zu einem riesigen Militärkomplex aus. Inzwischen sind die Blöcke 1 bis 4 an Investoren verkauft worden. Dort sind bereits Hunderte Ferien- und Eigentumswohnungen entstanden.

Auch in dem 300 Meter langen, zum Verkauf stehenden Abschnitt sollen Wohnungen entstehen. Diesen Bereich will der Kreis zum Höchstpreis veräußern. Zugleich sollen die Museen in Prora, die sich mit der NS- und DDR-Militär-Geschichte der Immobilie befassen, eine dauerhafte Bleibe in dem Block erhalten. Der Bund will ein solches Bildungs- und Dokumentationszentrum Prora mit bis zu 3,4 Millionen Euro fördern.

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