Hinter die Kulissen geschaut : Zuverlässig in Schwarz-Gelb

Dana Piehl muss vor ihrer Tour die Post in Fächer verteilen und so ihre Runde vorbereiten.
Dana Piehl muss vor ihrer Tour die Post in Fächer verteilen und so ihre Runde vorbereiten.

Dana Piehl ist Postzustellerin – und das heißt mehr als Briefe und Pakete zu verteilen

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19. Januar 2016, 12:00 Uhr

Dana Piehls Zustellbereich ist nicht mal zehn Quadratmeter groß – zumindest in den ersten zwei Stunden ihres Arbeitstages. Denn wenn sie ins Auto steigt, um ihre Runde durch Alt-Reutershagen zu beginnen, hat sie alle Postsendungen, die heute zu verteilen sind, bereits einmal in der Hand gehabt. Briefe, Zeitschriften und Kataloge sind zuerst dran. Die Regale rund um ihren Zustelltisch sind in schmale Fächer aufgeteilt – eins für jede Tür, vor der sie später stehen wird, und in genau der Reihenfolge, wie ihr Weg draußen verläuft. Die Fächer sind genau beschriftet, mit Hausnummern, Familien- namen oder auch Firmenbezeichnungen. Das ist besonders für die Vertretung wichtig, die Dana Piehls Bezirk an ihren freien Tagen übernimmt.

Akribisch sortiert die 43-Jährige jedes Stück in das entsprechende Fach. „Diese Vorbereitung ist das Wichtigste. Wenn die nicht stimmt, gerät man dann auf Tour unter Druck, wird nervös und schafft nichts.“

Kaum ist alles zugeordnet, zieht sie die Sendungen aus dem Regal und steckt sie Hausnummer für Hausnummer in gelbe Kästen, die sie später im Auto verstaut – ein Packen hochkant, ein Packen längs. „Da hat jeder sein eigenes System. Ich finde es einfach praktisch, denn so komme ich nicht durcheinander, wenn in zwei Häusern nebeneinander Leute mit gleichen Namen wohnen.“

Die Standard-Kompakt-Briefe, also normale Größe, bekommt sie aus dem Briefverteilzentrum Rostock. Auch in Schwerin und Neubrandenburg gibt es diese riesigen Hallen, in denen Spezialmaschinen Briefe aller Art sortieren. Manche Sendungen jedoch sind nicht maschinenlesbar – die werden per Hand sortiert und müssen direkt in Reutershagen an den jeweiligen Zusteller ausgegeben werden. „Und es gibt besondere Sendungen wie Einschreiben, Nachnahme oder amtliche Postzustellungsaufträge, die erst eingescannt werden müssen“, erklärt die Fachfrau. „Wenn wir sie ausliefern, bestätigt der Kunde den Erhalt auf diesem Hand-Scanner – so wie man das von Paketen ja schon länger kennt. Früher haben wir vorher einen Beleg ausgedruckt, der dann unterschrieben wurde.“

Der Betriebsfremde sieht nur Massen von Briefen, Zeitschriften, Päckchen. Dana Piehl arbeitet seit 28 Jahren bei der Post und sieht das System dahinter. „Wer bei uns neu anfängt, braucht eine Eingewöhnungszeit, dann ist es drin“, meint sie. „Man muss sich aber gut selbst organisieren können. So ein Arbeitstag ist zeitlich straff getaktet.“ Ihre Arbeit ist auch körperlich durchaus anspruchsvoll. Denn im Laufe der Jahre gibt es immer weniger Briefe, aber immer mehr Pakete auszuliefern – Folge des zunehmenden Online-Handels.

Wenn Dana Piehl ihre Post vorbereitet hat, geht es nach nebenan in den Paketraum. Die großen Sendungen kommen aus dem Paketzentrum in Neustrelitz. Täglich nimmt sie von hier an die 50 Kartons mit, es können bis zu 100 werden.

Zwei Stunden nach Dienstbeginn belädt Dana Piehl ihren gelben Transporter – wiederum nach ihrem System. Jetzt erst beginnt jener Teil ihrer Arbeit, den man kennt: die Zustellung. Fünf bis sechs Stunden ist sie nun auf den Straßen von Rostock unterwegs. Seit drei Jahren fährt sie diese Tour und kennt mittlerweile alle ihre Kunden. „Ich habe wirklich guten Kontakt zu den Leuten und nehme mir auch mal Zeit für ein Schwätzchen – auch wenn ich eigentlich gar keine habe“, erzählt die 43-Jährige. „Manche Kunden kommen extra raus, um mal ein Wort zu wechseln.“ Sie lacht. „Das hat mir schon immer Spaß gemacht. Ein Bürojob – das wäre nichts für mich.“ Sagt sie, lacht und fährt wieder los.

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