Wöbbelin : Zuständige Klinik für Kilian erneut in Frage gestellt

Kilian Reibstirn.
Kilian Reibstirn.

Eltern des Neunjährigen ringen mit der Krankenkasse um optimale Behandlung.

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18. November 2015, 06:00 Uhr

Über den neunjährigen Kilian Reibstirn aus Wöbbelin hat SVZ schon mehrfach berichtet. Kilian leidet an einer höchst seltenen Krankheit: FHUFS – so die Abkürzung aus dem Englischen – ist eine mehrfache schwere Körperbehinderung, von der weltweit nur ca. hundert Fälle bekannt sind, davon acht Fälle in Deutschland. Kilian erhält eine optimale Behandlung, die es ihm ermöglicht, in eine normale Schule zu gehen und sich weitgehend wie ein Junge seines Alters zu entwickeln.

Allerdings ist das nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht. Kilians Behandlung ist teuer. Seine Krankenkasse, die IKK Nord, beziffert die jährlichen Mehrausgaben bei FHUFS zwischen 50 000 und 80 000 Euro.

Ergo rückt das Wort „Kostendämpfung“ in den Blickpunkt. Soweit noch verständlich. Wenn dabei aber immer wieder „Baustellen“ aufgemacht werden, die eigentlich schon abgeschlossen schienen, ist es kein Wunder, wenn Kilians Eltern Michael und Michaela Reibstirn im ständigen Behördenkrieg stehen. Immer wieder Streitpunkt: Wo liegt die nächst gelegene zuständige Klinik für Kilian? Dazu gibt es eine ärztliche Stellungnahme. „Die orthopädische Kinderklinik in der Schön Klinik Vogtareuth ist auf die Behandlung von jungen Patienten mit seltenen Krankheitsbildern … in höchstem Maße spezialisiert. Da dieses Krankheitsbild im Kindesalter eher selten ist, empfiehlt es sich, eine Klinik zu wählen, deren Ärzte und Operateure sowohl mit der OP-Technik gut vertraut sind als auch in der Kinderorthopädie erfahren sind. Die Schön Klinik Vogtareuth stellt deshalb die nächstmögliche, für die Familie erreichbare Fachklinik dar“, heißt es dort.

Problem: Vogtareuth liegt in der Nähe von Rosenheim in Bayern. Sogar verständlich, dass die Krankenkasse nach einer kostengünstigeren Alternative sucht. Jetzt ist eine Hamburger Klinik ins Gespräch gekommen. „Wir haben ja gar nichts dagegen, wenn wir nicht mehr so weite Wege zurücklegen müssen“, sagt Michaela Reibstirn. „Wenn eine bestmögliche Behandlung für Kilian gesichert bleibt“, unterstreicht sie. Das ist indessen keinesfalls sicher. Zumal in Vogtareuth das Zusammenspiel von Ärzten und Orthopädietechnik, die der kleine Wöbbeliner braucht, hervorragend funktioniert.

Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wurde 2006 als gemeinnützige GmbH gegründet und ist seitdem mit der gesetzlichen Patientenberatung beauftragt. Sie berät kostenfrei, neutral und unabhängig - vor Ort in 21 regionalen Beratungsstellen. Mitarbeiterin Selma Lindner aus Rostock rät in solchen Fällen, auf möglichst sachlicher Basis mit der Krankenkasse gemeinsam nach der bestmöglichen Lösung für das Wohl des Kindes zu suchen. „Auch dem Vorstand sowie den Mitarbeitern der IKK Nord geht das Schicksal von Kilian menschlich sehr nahe. Als Krankenkasse möchten wir die Familie mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten unterstützen“, hatte Thomas Eppler, Referent des Vorstandes, aus Lübeck, im April auf SVZ-Nachfrage geschrieben. Damit gibt es ja bereits eine grundlegende Übereinstimmung.

Bei der Allianz chronischer seltener Erkrankungen (Achse) ist das Problem, das Kilians Eltern haben, sattsam bekannt. „Es ist quasi der Klassiker“, sagt eine Mitarbeiterin. Das Netzwerk bündelt nach eigener Aussage Ressourcen und Know-how und verschafft den Menschen mit seltenen Krankheiten Gehör.

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