Die Prignitzer : Zurück nach Mecklenburg?

Ein Prignitzer dient unserem Ministerpräsidenten Teile seiner Heimat an – doch der will an einmal gezogenen Grenzen nicht rütteln lassen

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31. Dezember 2016, 05:00 Uhr

Sie haben es nicht anders gewollt, die Prignitzer. Das rebellische Völkchen, dessen Ländereien im Südwesten an Mecklenburg grenzen, entschied sich in einer Bürgerbefragung 1990 dafür, künftig zum Land Brandenburg zu gehören. Erst lief das Gros des einst zum DDR-Bezirk Schwerin gehörenden Landkreises Perleberg zu den Preußen über, dann auch noch Lenzen und die umliegenden Gemeinden. Nur die einstige Prignitz-Stadt Havelberg zeigte sich der Wechselei überdrüssig; Nachdem die DDR sie 1952 dem damaligen Bezirk Magdeburg zugeschlagen hatte, wollte sie dort – also im heutigen Sachsen-Anhalt – auch weiterhin bleiben.

Doch jetzt, wo ihnen eine neuerliche (Kreis-)Gebietsreform droht, wollen einige Prignitzer plötzlich wieder zurück nach Mecklenburg. Vorgeschickt haben sie Maik Senninger aus Pritzwalk, der einen entsprechenden Antrag an „den Ministerpräsidenten des schönen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern“ Erwin Sellering (SPD) richtete. Sicher sei es so, dass 1424 Prignitzer Ritter „in euer schönes Bundesland“ einfielen. Und dass den Mecklenburgern am 25. August 1425 in der Schlacht bei Pritzwalk eine empfindliche Niederlage beigebracht wurde, in deren Folge die Grenzen zwischen Mecklenburg und Brandenburg festgelegt worden seien. „Wir konnten und wollten damals nicht glauben, dass ihr uns vor den einheimischen Raubrittern (heute Regionalpolitiker) beschützen wolltet“, schreibt der heutige Verhandlungsführer der Prignitzer, der schließlich sogar behauptet: „Wir lernen hier halt langsamer und brauchen schon mal gut 600 Jahre.“

Freyenstein, Putlitz und Meyenburg bietet Senninger jetzt zum Anschluss an MV an – und die Stadt Pritzwalk. Vor allem Letztere biete Mecklenburg hervorragende logistische Vorteile. „Unsere Bahnlinien nach Mecklenburg müssen nur wieder reaktiviert werden. Neben Gleisanschlüssen in fünf verschiedene Richtungen haben wir mehrere Bundesstraßen, einen Feldflugplatz … für Beobachtungsflüge und sogar die ,Pritzwalk-Anomalie‘ als besondere geologische Besonderheit.“ Über eine ehrenamtlich betriebene Kleinbahnlinie im Dorf Lindenberg sei es sogar möglich, das Transportnetz noch zu erweitern. „Die alten Trassen sind noch da“, schreibt der Unterhändler.

Tatsächlich ist die Prignitz auch vielen Mecklenburgern keine Unbekannte. Das fängt bei familiären Verbandelungen an und führt so weit, dass Prignitzer noch heute für größere Einkäufe in die mecklenburg-vorpommersche Landeshauptstadt fahren und sich bei komplizierteren Erkrankungen in den Schweriner Helios-Kliniken behandeln lassen. Und wenn die A 14 in diesem Bereich erst einmal durchgängig befahrbar sein wird, trennt die Prignitz gerade noch eine 45-minütige Fahrt vom Sehnsuchtsort Schwerin.

Die baldige Erlösung von den „Prignitzer Raubrittern“, auf die Maik Senninger hofft, wird es dennoch nicht geben – das hat die Schweriner Staatskanzlei die Perleberger noch in den letzten Tagen des alten Jahres wissen lassen. „Wir haben ein gutes Verhältnis zu unseren Nachbarn in Brandenburg und streben keine Veränderungen der Ländergrenzen an“, fasst Regierungssprecher Andreas Timm den Inhalt dieses Schreibens zusammen.

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