Firmen brauchen Hilfe : Zunahme von Internetkriminalität

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Spätestens die NSA-Affäre sollte jedem Internetuser klar gemacht haben, dass ohne ausreichenden Schutz alle Daten offenliegen. Dennoch gibt es laut Experten noch große Defizite im Schutz von Angriffen aus dem Internet.

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20. Februar 2014, 17:42 Uhr

Die Internetkriminalität in Mecklenburg-Vorpommern hat im vergangenen Jahr drastisch zugenommen. So wurden nach vorläufigen Zahlen etwa 2500 Straftaten im Bereich des Cybercrimes wie Datenveränderung oder -diebstahl registriert, das waren fast 50 Prozent mehr als im Jahr davor, wie der stellvertretende Direktor des Landeskriminalamts, Thomas Krense, am Donnerstag in Rostock bei einer Fachveranstaltung der Region Rostock Marketing Initiative sagte. Auch bei anderen Straftaten, bei denen das Internet als Tatmittel etwa zum Betrug benutzt wurde, sei eine Zunahme von ungefähr 40 Prozent auf 7500 Fälle zu beobachten.

Dabei sei von einem sehr großen Dunkelfeld auszugehen, sagte Krense. In einer Umfrage von Landeskriminalämtern sowie Industrie- und Handelskammern unter norddeutschen Firmen habe etwa ein Drittel der Unternehmen angegeben, dass sie schon Opfer einer Internetstraftat geworden seien. „Aber nur 13 Prozent dieser Unternehmen haben tatsächlich auch eine Anzeige erstatten.“  

Alle Experten wiesen darauf hin, dass sich kaum ein Internetbenutzer ausreichend der Gefahr bewusst ist und sich nur annähernd ausreichend schützt. Dabei gehe die Gefahr nicht mehr vom einzelnen Hacker aus. Die Internetkriminalität sei mit der organisierten Kriminalität zu vergleichen, und ein Trojaner sei eine Art digitales Waffensystem.

In Gefahr seien auch die Firmengeheimnisse von kleinen und mittleren Unternehmen. „Die Eigenverantwortung können wir keinem abnehmen“, betonte Innenminister Lorenz Caffier (CDU). „Jeder, der seinen Rechner einschaltet, muss daran denken: “Er ist nicht allein.„“ Mit dem regelmäßigen Ändern von Passwörtern oder der Installation von Anti-Viren-Programmen oder Firewalls sei schon viel getan.

„Das Thema Sicherheit im Internet ist ärgerlich, kostet was und tut weh“, fasste Michael Bartsch vom Kommunikationskonzern T-Systems die Situation zusammen. Der Schutz der Firmengeheimnisse fange im Betrieb an. Schätzungen zufolge ist bei etwa 70 Prozent aller Fälle von Internetkriminalität die Quelle im eigenen Betrieb zu suchen, etwa durch mangelhafte Trennung von privaten und dienstlichen Bereichen. 80 Prozent der Infektionen stammten aus dem E-Mail-Verkehr. Kaum jemand verschlüssele seine Mails. „Es gibt all diese Systeme, aber kaum einer nutzt sie“, sagte Bartsch.

Dabei müsse beachtet werden, dass der finanzielle Schaden durch Internetkriminalität gravierend sein kann. Aber auch der Reputationsschaden bei Datenverlusten sei schlimm und wirkte extrem langfristig, sagte Ostseesparkassen-Vorstand Thomas Metzke.

Wie Caffier betonte, entstehen nach Interpol-Angaben in Europa durch grenzüberschreitende Internetkriminalität Schäden in Höhe von 750 Milliarden Euro pro Jahr. Kriminelle entlockten ihren Opfern Zugangscodes und Firmengeheimnisse oder betreiben Industriespionage.

„Zunehmend gefragt ist die komplette digitale Identität des Opfers.“ Die EU muss nach Worten von Caffier eine Schlüsselrolle beim Schutz gegen Internetkriminalität einnehmen.

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