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Zum letzten Mal mit dem kleinen Drachen unterwegs

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erstellt am 28.Mär.2012 | 09:08 Uhr

Schwerin/Rostock | Der Mann fährt selbst - und der Mann, der da vor dem Restaurant aus dem Geländewagen steigt, ist immerhin einer der größten deutschsprachigen Rockstars. "Hallo, guten Abend", grüßt Peter Maffay ganz locker, hat genau einen Begleiter dabei und vor dem Pressegespräch noch jede Menge Zeit für zufällig anwesende Fans, die ganz von den Socken sind, wer sich da nach Schwerin verirrt hat. Mit 15 Alben hat es Peter Maffay in den mehr als 40 Jahren seiner Karriere auf Platz eins der Charts geschafft. Zum Vergleich: Maffays enger Freund und Kollege Udo Lindenberg hatte genau zwei Nummer-Eins-Alben.

Nun geht Maffay wieder auf Tour, doppelt sozusagen. Erst steht eine ausgewählte Reihe von großen Sommer-Open-Airs auf dem Programm, es sind genau drei. Neben der Naturbühne in Ralswiek am 12. Mai spielen Maffay und seine Band auch in Bad Segeberg am Kalkberg (18. Mai) und im Oberhofer Biathlon-Stadion (19. Mai). Dass es nur drei Open Airs gibt und keine Hallen-Konzerte, liegt am zweiten großen Live-Projekt, das Maffay in diesem Jahr auf die Reise schickt - Tabaluga. Das insgesamt fünfte Album rund um den kleinen grünen Drachen, "Tabaluga und die Zeichen der Zeit" ist im November 2011 erschienen und geht nun als aufwändige Live-Inszenierung auf Tournee. Am 18. Dezember macht Tabaluga dann in Rostock Station.

"Wir wollten Tabaluga nicht kannibalisieren", erklärt Maffay. Deshalb gebe es vorerst vor allem Termine für diese große Kinder-Rockoper, die längst nicht nur die kleinen Maffay-Fans anzieht. Und es ist Tabalugas Abschieds-Tour, da hat er ungeteilte Aufmerksamkeit verdient.

Fast 30 Jahre ist es her, dass Peter Maffay, Kinderbuchautor Helme Heine, Musiker Rolf Zuckowski und Autor und Texter Gregor Rottschalk den kleinen grünen Drachen ausgedacht haben - und von vielen Beobachtern für verrückt erklärt wurden, als sie sich Anfang der 1990er-Jahre daran machten, den kleinen Drachen als Live-Rockoper auf Tournee zu schicken. "Wir hatten mit dieser Form der Inszenierung ja überhaupt keine Erfahrung", erzählt Maffay. Runde zehn Millionen D-Mark habe die Inszenierung damals gekostet, "aber wir sind da mit einer gesunden Naivität rangegangen", sagt der Rocker und grinst.

In drei Jahrzehnten ist aus der Tabaluga-Idee eine Welt geworden, mit Kinderbüchern, Platten, Zeichentrickfilmen, Fernsehsendungen, Briefmarken. Eineinhalb Millionen Zuschauer haben schon eine der Shows gesehen. "Und ich erlebe es oft, dass da auf einem Gig irgendein langer Kerl neben mir steht, an dem ich hochgucken muss, und der sagt: Mit Tabaluga habe ich mal angefangen", erzählt Maffay. Nur in der Schweiz und Österreich habe der kleine Drache nie den Durchbruch geschafft: "Keine Ahnung, warum. Die haben wohl eigene Drachen." Jetzt gehe er in Österreich eben Schnitzel essen und damit hat es sich.

"Tabaluga und die Zeichen der Zeit", in der sich der kleine grüne Drache mit dem Älterwerden, der Vergänglichkeit und Tod auseinandersetzen muss, ist das Finale des Stoffes. Neue Tabaluga-CDs werde es nicht geben. Das Konzert am 18. Dezember in Rostock werde wohl das letzte Mal sein, dass Maffay und seine Mitstreiter die Kinder-Rockoper live auf die Bühne bringen. Es habe eben alles seine Zeit sagt Maffay: "Wir haben Tabaluga immer im Abstand von sechs, acht Jahren gemacht. Nun bin ich 62 - ich möchte mir nicht vorstellen, wie ich das mit 70 noch mal versuche."

Nicht, dass da ein Rock ’n’ Roller gemächlich würde. "Ein ganzes Jahr so ohne Krach, das geht ja nicht", sagt Maffay. Deshalb auch die Open Airs im Sommer mit reichlich Rock. "Ich bin Musiker geworden, um live zu spielen." Eine Altersgrenze gebe es für ihn nicht: "Im Rock ’n’ Roll hat der Gesetzgeber ja nichts zu sagen - glücklicherweise. Das Limit setzt das Publikum oder der liebe Gott." Sein Job sei hart, aber besser als jeder andere. Der Hunger nach Erfolg, nach Anerkennung - das lasse etwas nach. "Jetzt sind die Ziele erreicht." Es bleibe aber die Liebe dazu, live zu spielen, für das Publikum. Da fühle er sich schon verpflichtet, sagt Maffay: "40 Grad Fieber sind kein Argument, einen Gig abzusagen, wenn da draußen 10 000 Leute warten."

Maffay lebt auf einer Finca auf Mallorca und in Tutzing am Starnberger See. Sein achtjähriger Sohn geht auf Mallorca in die Schule. Nicht etwa in die Deutsche Schule, Sondern in die Dorfschule nebenan, wo Spanisch und Katalanisch gesprochen wird. Und natürlich hat Maffay seinem Sohn die neuen Tabaluga-Songs schon vorgespielt, als er noch an der neuen CD arbeitete. "Kinder sind dafür nie zu klein", sagt der bodenständige Rockstar: "Wenn du ihnen etwas vorspielst und sie bohren dabei in der Nase - dann weißt du, dass die Musik nichts taugt."


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