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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 13:40 Uhr

Kürbisernte : Zum Essen und Gruseln

vom
Aus der Onlineredaktion

Kürbisse haben im Oktober Hochsaison. Die Ernte ist in diesem Jahr kleiner ausgefallen als normal

von
erstellt am 10.Okt.2017 | 08:00 Uhr

„Kürbisse zu finden ist wesentlich leichter als Pilze“, sagt Reinhard Wittwer lachend und schreitet durch sein Feld mit den leuchtend orangefarbenen Früchten, die sofort ins Auge fallen. Anfang Oktober sind die meisten Hokkaidos, eine von Verbrauchern bevorzugte Sorte, voll ausgereift. Allerdings deutlich später als in den Jahren zuvor. Das Frühjahr war zu kalt und der Sommer verregnet, erklärt der Landwirt aus Bastorf (Landkreis Rostock). Unweit der Ostsee, inmitten der Kühlung, finden Kürbisse nahezu ideale Wachstumsbedingungen. Wittwer schneidet nur die voll reifen Hokkaidos ab. Je weiter sie entwickelt sind, umso intensiver ist der Geschmack.

Ein paar Kilometer weiter in Steinhausen bei Wismar ist die Ernte weitestgehend abgeschlossen. Die dortige Agrargenossenschaft gilt mit rund zwölf Hektar als größter Kürbisanbauer in Mecklenburg-Vorpommern. Insgesamt bauen rund ein Dutzend Betriebe im Land das Gemüse an. Der Verkauf läuft seit vier Wochen auf Hochtouren. Chef Michael Brink setzt auf Sortenvielfalt. Von fast weiß bis nahezu schwarz, rot, grün und gelb – das Gemüse hat eine große Farben- und Geschmackspalette.

Die Gastronomie fragt derzeit viel Kürbis nach. „Zwischenzeitlich fast vergessen ist der Kürbis wieder ein Highlight auf den Speisekarten“, heißt es beim Hotel- und Gaststättenverband. Und so finden vielerorts Kürbistage statt – auf Rügen, Usedom, Fischland-Darß-Zingst oder in der Mecklenburgischen Seenplatte. Ob gebraten, gedünstet, gebacken, gekocht, als Suppe – aus Kürbis lässt sich vieles machen, auch Öl. In Österreich, in der Steiermark, wurden eigens dafür samenschalenlose Sorten gezüchtet. Und in den USA gibt es kein Erntedankfest – kein Thanksgiving – ohne Pumpkin Pie, den Kürbiskuchen. Aus Wildformen herausgezüchtet – domestiziert, wie Experten sagen –, wurde der Kürbis einst in Mexiko und im Süden der Vereinigten Staaten. Entscheidend dabei war, die Bitterstoffe aus den Urformen herauszubekommen. Samenfunde belegen, dass es damit bereits 10 000 vor Christi Geburt losging.

Karls Erlebnisdorf in Rövershagen bei Rostock bietet die ganze Bandbreite: 15 Sorten, zigtausend Stück, darunter auch Kürbisse zum Schnitzen, die vor Halloween besonders beliebt sind. Aus den USA und Irland kam der Brauch, am Vorabend von Allerheiligen, in der Nacht zum 1. November, geschnitzte, hell ausgeleuchtete Kürbisse aufzustellen. In Steinhausen werden die dafür notwendigen Riesenkürbisse angebaut. Je größer, umso furcht-erregender womöglich das hineingeschnitzte Gesicht. „Da gibt es inzwischen wahre Künstler“, berichtet die Sprecherin des Erdbeerhofs, Nadja Schriever. Sie freut sich auf möglichst viele Mitmacher in der Schnitz-Werkstatt im „Grusel-Oktober“ in Rövershagen.

Kürbisse brauchen Reinhard Wittwer zufolge vor allem ausreichend Wärme, um gedeihen zu können. Mit einem scharfen Messer schneidet der Biobauer Hokkaido für Hokkaido vom bereits welken Laub ab, nicht nur orangefarbene, sondern auch grüne. „Die sind ebenfalls reif, haben halt nur eine andere Farbe“, sagt er. Es gibt nicht nur sehr viele Kürbisarten, sie sind auch innerhalb der Sorten vielfältig, so der Gemüsebauer. Geerntet wird in Bastorf nur so viel, wie sich noch am gleichen Tag ab Hof oder auf dem Wochenmarkt in Wismar verkaufen lässt.

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