Aktion „Licht für die Welt" : Zum ersten Mal ihre Stimme hören...

<strong>Heike Nörenberg </strong>umringt von den afrikanischen Kindern in Kampala, vielen konnten sie mit ihren mitgebrachten Hörgeräten helfen. Und die Hilfe soll weitergehen.
1 von 4
Heike Nörenberg umringt von den afrikanischen Kindern in Kampala, vielen konnten sie mit ihren mitgebrachten Hörgeräten helfen. Und die Hilfe soll weitergehen.

Heike Nörenberg aus Hagenow ist für zehn Tage in Uganda und Tansania gewesen, um als Hörgeräteakustikerin gehörlosen oder fast tauben Menschen zu helfen. Am Ende hatte sie 80 Hörgeräte inklusive Ohrstück angepasst.

svz.de von
17. Juli 2012, 12:21 Uhr

Kampala/Hagenow | Fragende Blicke, glückliche Augen, aufgeregtes Lauschen, glückliche Momente aber auch viel Geduld, Disziplin und Leid - sie hat alles erlebt, intensiv und aus nächster Nähe. Und sie hat vielen helfen können, ganz konkret in Afrika. Heike Nörenberg aus Hagenow ist freiwillig für zehn Tage in Uganda und Tansania gewesen, um als Hörgeräteakustikerin gehörlosen oder fast tauben Menschen zu helfen.

Sie fuhr nicht einfach so nach Kampala und Bukoba zur Gehörlosenschule, sie holte sich Hilfe von der Aktion "Licht für die Welt" und sie bereitete sich vor, nahm alles mit, was helfen konnte. Am Ende hatte sie 80 Hörgeräte inklusive Ohrstück angepasst, meist für Kinder, von denen einige noch nie ihre eigene Stimme gehört hatten. "Bababa" waren die ersten Laute, die z. B. Alicia oder Nabhani aus ihrem eigenen Mund hörten. Nörenberg: "Das war so wundervoll, ich bekam eine Gänsehaut und hatte Tränen in den Augen. Das ist so ein unbeschreiblich schönes Gefühl". Sie erzählt aber auch von der für uns unvorstellbaren Armut, von dem Elend, das sie selbst während ihres kurzen Aufenthaltes in den beiden Ländern gesehen hat. "Als normales Europäer kann man sich das einfach nicht vorstellen. Dennoch, so nah wie in diesen Tagen war ich Afrikanern noch nie. Als Tourist bekommt man nie und nimmer solche Eindrücke. Ich begreife einige Dinge erst so nach und nach." Dabei sind die, die sie besucht hat und denen sie helfen konnte, noch vergleichsweise gut gestellt. Wer es als Kind an die Gehörlosenschule nach Kampala geschafft hat, dem ist das Schicksal hold. Dabei sind die meisten dort gar nicht taub. Doch mit den ganz wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln kann man gegen die fortgeschrittene Taub- und Schwerhörigkeit nichts oder fast nichts machen. Es gibt dort schlicht keine Hörgeräte. In der Folge lernen die Kinder die Gebärdensprache, um sich überhaupt verständigen zu können, dabei gibt es bei 70 Prozent der Kinder ein Resthörvermögen.

Selbst einfache Hörgeräte können hier Wunder bewirken

Hier setzt die Hilfe der Fachfrau aus Deutschland ein. Denn sie hatte über Spenden und aus eigener Kraft möglichst viel an Material nach Ostafrika geschickt, um den Kindern nach entsprechender audiometrischer Untersuchung die mitgebrachten Geräte anpassen zu können. Unterstützt wurde Heike Nörenberg an den beiden Schulen, die sie besucht hat, von den Audiologen Amin Said und Jackson Mbuusi. Die beiden sind neben ihrer Lehrertätigkeit auch Ansprechpartner für alle Ohrprobleme in einem Gebiet mit zehn Millionen Menschen. Denn in Ostafrika gibt es kaum ausgebildete Audiologen und HNO-Ärzte. Die beiden Fachkräfte und ein weiterer Pädagoge verfügen über fundierte audiologische Kenntnisse und wurden von Heike Nörenberg geschult und praktisch trainiert und zwar in allen Fachbereichen. So ist garantiert, dass die Hilfe auch nachhaltig bleibt. So gibt es auch nach Rückkehr der Hagenowerin kompetente Ansprechpartner für Reinigung und Batteriewechsel, Einstellung der Hörgeräte und Reparaturen. Nörenberg: "Den Lehrern ist bewusst, das man alles Schritt für Schritt aufbauen muss und ich weiß, dass ich wiederkommen will, um weiterzuhelfen. Und jede Hilfe, die ich dafür bekommen kann, werde ich nutzen. Denn ich habe gesehen und erlebt, wie man mit vergleichsweise wenigen Mitteln sehr viel bewirken kann. Und wer einmal gespürt hat, wie glücklich die Kinder auf jede noch so kleine Verbesserung reagieren, der weiß, es hat sich gelohnt."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen