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Mecklenburg-Vorpommern

22. Oktober 2017 | 12:17 Uhr

Schwerin : Zukunftswerkstatt in Finanznot

vom

Die Zukunftswerkstatt in Warnitz steht auf wackligen Füßen. Nicht einmal die Hälfte der so genannten Ein-Euro-Jobs, welche die Werkstatt beantragt hat, ist im laufenden Jahr vom Jobcenter genehmigt worden.

svz.de von
erstellt am 17.Okt.2012 | 12:41 Uhr

Warnitz | Die Zukunftswerkstatt in Warnitz steht auf wackligen Füßen. Nicht einmal die Hälfte der beantragten Arbeitsgelegenheiten - die so genannten Ein-Euro-Jobs - ist im laufenden Jahr vom Jobcenter genehmigt worden. Statt wie im Vorjahr 114 gibt es diesmal nur 52 Stellen. Die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter musste bereits re duziert werden, denn auch sie werden aus dem Geld bezahlt, das vom Jobcenter kommt. Und die Zukunftswerkstatt steht nicht allein mit dem Problem. In ganz Westmecklenburg ging die Zahl der Ein-Euro-Jobs schon im vergangenen Jahr von 3500 auf 1800 zurück. Wie lange reicht das Geld für den zweiten Arbeitsmarkt und wie viele Menschen und Träger können davon leben?

"Wir werden sicher auch noch das nächste Jahr über die Runden kommen", sagt Axel Höhn, der die Geschäfte der Zukunftswerkstatt führt. "Aber die Probleme werden nicht kleiner. Jetzt besteht wirklich Handlungsbedarf und das Ganze müsste neu diskutiert werden." Im Großen - mit der Bundespolitik, die die Förder-Programme für Langzeitarbeitslose auflegt. Und im Kleinen - mit den einzelnen Trägern vor Ort, dere n Projekte sich manchmal überschneiden. Und mit dem Jobcenter, das die Stellen bewilligt oder ablehnt. "Vieles spricht nach meiner Ansicht jetzt dringend für eine Zentralisierung", sagt Höhn. "Im Schlossgarten beispielsweise sind unterschiedliche Leute für unterschiedliche Träger unterwegs - die Pflegekräfte für die Schwimmenden Wiese und den Spielplatz der Atolle gehören zu uns, die Schlosspark-Guides zu einer anderen Firma. Auch Grünschnitt und Sauberkeitsaktionen in der Stadt bieten zurzeit noch verschiedene Beschäftigungsgesellschaften an."

Was von den Projekten verlangt wird, sei mithin schwer zu bewerkstelligen: Die Jobs dürfen keine Konkurrenz zum ersten Arbeitsmarkt darstellen, sollen aber gleichzeitig auf ihn vorbereiten. "Dann müssten wir ja noch geschulte Lehrmeister einstellen. Außerdem wissen wir bei der Beantragung unserer Projekte ja gar nicht, welche Arbeitslosen wir bekommen, also welche Berufsausbildung sie ursprünglich haben."Zudem ist eine Stelle für den einzelnen Ein-Euro-Jobber auf drei bzw. sechs Monate befristet. Selbst gute Leute dürfen keinen Anschlussvertrag erhalten.

Bislang versuchen Axel Höhn und Co. sinnvolle Projekte aus dem Boden zu stampfen, die auch den Beschäftigten etwas geben - z.B. die Begrünung von Brachflächen im Mueßer Holz. Die Zukunftswerkstatt wurde Anfang der 90er-Jahre als kommunale Beschäftigungsgesellschaft von der Stadt gegründet, muss mittlerweile aber auf eigenen Füße stehen, weil die alten Fördermodelle ausgelaufen sind. Die Einrichtung, die ihre Zentrale in der Alten Dorfschule in Warnitz hat, ist im Laufe der Jahre groß geworden. Zu groß, um nur 52 Stellen zu betreuen und entsprechend knappe Mittel einzustreichen. Allein für die Alte Dorfschule samt Grundstück fallen mehr als 1000 Euro Pacht im Monat an, die Anleiter der Gruppen sowie Verwaltungskräfte sind seit Jahren fest angestellt. Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre müssen mindesten 100 Arbeitsgelegenheiten pro Jahr bei der Zukunftswerkstatt gefördert werden, damit sich die Einrichtung am Standort in Warnitz halten kann. "Wir haben zwar ein zweites Standbein als Jugendfreizeitstätte, aber das bringt wenig Geld ein. Unsere Fußballgolf-Anlage läuft mittlerweile zwar gut, aber nicht so gut, dass ein Mensch von den Einnahmen allein seinen Lebensunterhalt bestreiten könnte", sagt Höhn. Fürs nächste Jahr plant er jetzt ein Gründerzentrum in der Alten Dorfschule. Platz genug gibt es dort für Büros und vielleicht eine kleine Werkstatt, die sich ehemalige Arbeitslose günstig mieten können, wenn sie in die Selbstständigkeit gehen wollen. Angeblich sei das ein neuer Trend auf dem Arbeitsmarkt. Höhn: "Das Gründerzentrum könnte dann so etwas sein wie ein TGZ auf niedrigerem Niveau."

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