Schlösser und Gutshäuser : Zukunft für ein altes Haus

Das Gutshaus in Thurow stand jahrelang leer – nun wird es nach und nach restauriert. Fotos: rahming
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Das Gutshaus in Thurow stand jahrelang leer – nun wird es nach und nach restauriert. Fotos: rahming

Ehepaar Engel will das Gutshaus in Thurow zu neuem Leben erwecken

svz.de von
20. September 2015, 08:50 Uhr

Gefunden, gesehen und – für ungeeignet befunden. Gekauft. So begann die Geschichte zwischen dem Gutshaus in Thurow bei Brüel auf der einen Seite und dem Ehepaar Engel auf der anderen. Vor knapp anderthalb Jahren kauften die Hamburger das Gemäuer von 1864. Schon kurz nachdem die beiden sich kennengelernt hatten, entstand die Idee, eines Tages so ein altes Haus zu neuem Leben zu erwecken. „Wir haben lange gesucht“, erinnert sich Marcel Engel, der in Hamburg ein eigenes Friseur-Geschäft betreibt und nebenbei mit Antiquitäten handelt. „Dieses hier schien absolut ungeeignet. Ich habe es dann doch gekauft, weil ich sehen wollte, was er draus macht.“ Lachend schaut der 46-Jährige seinen Partner an. „Alle Räume und Keller waren zugemüllt“, erzählt Leonard. „Es hatte zuletzt einem Bauunternehmer gehört, aber sieben Jahre leer gestanden.“ Monatelang haben die beiden Raum für Raum freigeräumt – insgesamt 46 Container Müll kamen zusammen. Vor kurzem mussten noch 250 Farbeimer entsorgt werden. Die beiden Männer schleifen, streichen, mauern, malern, machen so viel wie möglich selbst. „Ich habe von Natur aus zwei rechte Hände“, sagt Leonard lachend. „Und viele Arbeiten sind nur zeitaufwändig, aber nicht schwierig.“ Oft lassen sich die beiden auch von Familie und Freunden helfen.

Die Menschen in der Umgebung waren zunächst etwas skeptisch, als die beiden Großstädter auftauchten. Doch inzwischen verstehen sich die neuen Nachbarn gut miteinander. „Es liegt ja auch immer an einem selbst“, meint Marcel. „Wir sind recht unkompliziert, haben keinen Zaun drumherum gezogen oder uns abgeschottet.“ Wenn jemand mit echtem Interesse kommt, nimmt Leonard sich Zeit für eine kurze Führung. „Viele Leute erinnern sich, in welchem Raum der Konsum war oder der Kindergarten.“ Gutshaus und Park sollen so originalgetreu wie möglich wiedererstehen. Die Grundlagen legen die beiden schon jetzt, kaufen Möbel, Öfen, Spiegel und andere Stücke aus alten Zeiten. Der Vorbau aus den 1970er-Jahren wird bald abgerissen – er passt nicht zum restlichen Gebäude. „Ich glaube, wir sind da kritischer als das Denkmalschutzamt“, sagt Leonard.

Der 25-jährige Stylist hat das Verständnis für die Materie gewissermaßen in den Genen – sein Vater ist Restaurator. „Wir wollen mehr mit dem Haus anfangen als nur darin zu wohnen. Ich weiß zum Beispiel, dass es weit und breit kein gut eingerichtetes Gebäude im englischen Landhausstil gibt. Wenn wir solche Kulissen für unsere Mode-Produktionen brauchen, müssen wir immer nach Großbritannien ausweichen, was die Projekte erheblich verteuert. So etwas können wir später hier in Thurow machen.“ Die ersten Fotografen waren schon da und haben ihre Models in der Baustelle inszeniert. Das Haus wird sich auch für Hochzeiten, Filmaufnahmen, Konzerte, Lesungen und andere Kunstveranstaltungen eignen. Zu Pfingsten gab es eine erste Ausstellung inklusive Musik. „Vieles wird mit der Zeit wachsen“, hofft Leonard. „Wir können es auf uns zukommen lassen, das ist angenehm“, ergänzt Marcel. „Wir haben ja unsere Berufe.“ Marcel pendelt nach Hamburg, Leonard wohnt bereits in Thurow. „Ich vermisse mein dortiges Leben nicht, nur meine Freunde“, sagt der Stylist. „Was wir hier schaffen, ist etwas Bleibendes – das ist schön.“

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