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Mecklenburg-Vorpommern

12. Dezember 2017 | 22:39 Uhr

Zuhause von zehn Katzen zerstört

vom

svz.de von
erstellt am 11.Jan.2012 | 07:02 Uhr

Evershagen | Zerstörte Hütten und Chlorreiniger im Trinkwasser - im Stadtteil Evershagen meint es jemand nicht gut mit den freilaufenden Katzen. In der Futterstation hinter der Regional Schule Ehm Welk wütete jemand kurz vor Weihnachten und zerstörte den Zufluchtsort von insgesamt zehn Katzen. Helga Pipirs, die sich seit Jahren ehrenamtlich um die herrenlosen Tiere kümmert, ist fassungslos. "Ich kann das nicht verstehen", sagt die 71-jährige Rentnerin. Das Schlimmste für sie: Seit dem Vorfall sind sieben Tiere verschwunden.

Randalierer hinterlässt Botschaft

"Die Futterstationen sind wichtig. Nur so können wir den Bestand der freilaufenden Katzen in der Hansestadt kontrollieren und beeinflussen", sagt Amtstierärztin Dr. Heike Schlößer. Denn was viele nicht wissen: Die Katzen werden hier nicht nur gefüttert, sondern eingefangen, ärztlich untersucht und kastriert. "Ohne diese Maßnahme würde der Bestand regelrecht explodieren", sagt Schlößer. Ein Katzenweibchen könne zwei bis drei Mal im Jahr bis zu sechs Jungen werfen. Bei zirka 2000 freilaufenden Katzen in Rostock entstehe in kurzer Zeit eine unkontrollierbare Menge. Die Initiative Katzenschutz Rostock setzt sich zudem für ein Kas trationsgebot für alle Freigängerkatzen ein. So sollen auch die Tiere, die zwar im privaten Besitz sind aber dennoch ab und zu in der freien Wildbahn unterwegs sind, kastriert werden.

Unterstützt werden die Stationen vom Veterinäramt. Insgesamt 200 solcher Futterstellen existieren in Rostock. Auch in Lichtenhagen gäbe es ähnliche Probleme mit Vandalismus. "Auch hier wurde in der Vergangenheit einiges zerstört", sagt Schößer. In Evershagen hatte es der Täter besonders auch die Hütten abgesehen. Diese wurden zum Teil umgekippt oder kaputtgetreten. Nur noch zwei sind zu gebrauchen. Auf einem Stück Holz hinterließ der Randalierer die Botschaft "Keine Katzen füttern - die sind weg".

Die Katzen aus der freien Wildbahn zu entfernen und in ein Tierheim zu bringen, sei laut Schlößer sehr schwierig. In ihrem Revier hätten sie ein gewisses Bleiberecht. Auch für Pipirs kommt das nicht in Frage. "Das werde ich nicht zulassen", sagt sie. Seit knapp neun Jahren kümmert sie sich um die Katzen, füttert sie und investiert neben ihrer Zeit auch selbt viel Geld in die Pflege der freilaufenden Tiere. Fast jedes Tier hat bei ihr einen Namen. Schon von weitem erkennt sie, um welche Katze es sich handelt. Dass sich jemand von den Tieren gestört fühlt und deshalb die Futterstelle zerstört, hätte sie nicht gedacht. Schließlich sei die Stelle gut versteckt und in keinem direkten Wohngebiet.

Tiere sind verstört und unzugänglich

Wo die sieben verschwundenen Katzen sind, weiß keiner der beiden. "Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert ist, wenn eine Katze das Chlorwasser getrunken hat", sagt Pipirs. Aber auch die übrig gebliebenen sind nach dem Vorfall verstört und meiden menschlichen Kontakt.

Vier Anzeigen hat Pipirs jetzt bei der Polizei erstattet. Die letzte aufgrund des verunreinigten Wassers. Dafür hat sie extra eine Probe mit genommen. "Ich kann nur gegen Unbekannt Anzeige erstattet", sagt die Rentnerin. Dennoch gibt sie die Hoffnung nicht auf, den oder die Täter ausfindig zu machen. Jeden Tag kommt sie zur Futterstelle, kontrolliert alles und schaut sich um. "Manchmal komme ich auch, wenn es schon dunkel ist."


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