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Flüchtlingsunterkünfte auf Zeit : Zuflucht im Winter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Flüchtlinge sollen in Jugendherbergen unterkommen

Jugendherbergen werden zu Flüchtlingsunterkünften auf Zeit: Allein in MV sollen nach Angaben des Deutschen Jugendherbergwerks bis zu 700 Flüchtlinge den Winter in einer Jugendherberge verbringen. Das Land habe einen Vertrag mit dem Landesverband des Jugendherbergswerkes über die Nutzung von sieben Einrichtungen geschlossen, sagte heute eine Sprecherin des Innenministeriums in Schwerin.

Die Herbergen, darunter als größte die Jugendherberge Prora auf Rügen mit rund 400 Betten, können demnach vom 1. November 2015 bis zum 28. Februar 2016 belegt werden.

Die Jugendherberge Prora war 2011 in einem der Blöcke der von den Nationalsozialisten einst als „Kraft durch Freude“-Seebad geplanten Mega-Anlage eröffnet worden. Zum Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerkes gehören im Nordosten 21 Herbergen, von denen zehn im Winter normalerweise schließen.

Der Landkreis Vorpommern-Rügen hat eigenen Angaben zufolge bereits die Bürgermeister all jener Gemeinden im Kreis angeschrieben, in denen sich Jugendherbergen befinden, die zum 1. November schließen.

Dazu gehören Prora mit 402 Betten, Sellin mit 156 Betten, Born mit 184 Betten, Zingst mit 163 Betten und Barth mit 172 Betten. Nach dem Rahmenvertrag des Landes will der Kreis nun Verträge für einzelne Herbergen abschließen. „Wir wissen, dass die Unterbringung in Jugendherbergen nur eine kurzfristige Entlastung bringt“, sagte Landkreissprecher Olaf Manzke. Diese Lösung sei aber immer noch besser, als Flüchtlinge im Winter in Zelten oder nicht beheizbaren Unterkünften wohnen zu lassen.

In Prora könnten möglicherweise schon in den nächsten Tagen die ersten Flüchtlinge eintreffen. Bis Ende Oktober will zunächst das Land eine Mehrzweckhalle an der Jugendherberge als Notunterkunft nutzen. Diese werde 150 Plätze haben, so das Ministerium.

Der Kreis schaut parallel dazu weiter nach dauerhaften Gemeinschaftsunterkünften. „Würden wir die Gesamtkapazität in den Jugendherbergen voll ausschöpfen, schöben wir eine riesige Bugwelle vor uns her“, sagte Manzke. Die Nutzung der Herbergen stelle nur eine Verschiebung des Problems dar. Es werde immer schwieriger, geeignete Unterkünfte zu finden.

Spekulationen über neue Flüchtlingszahlen

Angesichts neuer Spekulationen über bis zu 1,5 Millionen Asylbewerber in diesem Jahr verschärfen Politiker von Union und SPD ihre Warnungen vor einer Überforderung Deutschlands. Im letzten Quartal sei mit der Ankunft von bis zu 920 000 Flüchtlingen zu rechnen, berichtete die „Bild“-Zeitung gestern unter Berufung auf eine interne Prognose nicht näher benannter Behörden. Das Bundesinnenministerium nannte die Zahlen zweifelhaft. Nach offizieller Prognose erwartet der Bund für das laufende Jahr  bislang 800 000 Asylbewerber in Deutschland. Abgeordnete von CDU und CSU sowie SPD-Politiker mahnten erneut, die Belastungsgrenze sei erreicht.

Auch die Notunterkunft für Flüchtlinge in Mühlengeez bei Güstrow füllt sich allmählich. In der für maximal 1500 Personen ausgelegten Unterkunft lebten am Montag rund 800 Menschen, hauptsächlich aus Syrien, sagte Manuela Hamann, Sprecherin des Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes in Güstrow.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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