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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 02:22 Uhr

Landwirtschaft in MV : Zuckerrüben verderben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Einzige Zuckerfabrik des Landes schafft es nicht, alle Rüben zu verarbeiten

Noch immer lagern wahre Rübenberge an vielen Straßenrändern in Mecklenburg-Vorpommern. Steven Hirschberg, Vizechef der Agrargenossenschaft Papendorf im Landkreis Rostock, wirft eine schwarze Zuckerrübe nach der anderen von einem riesigen Stapel in Richtung Abfallhaufen. „Die kann ich alle vergessen“, sagt er. Bereits im Oktober wurden die Rüben geerntet. Insgesamt waren es im Unternehmen gut 4000 Tonnen und damit rund 800 Tonnen mehr als der Liefervertrag mit der einzigen im Land verbliebenen Zuckerfabrik in Anklam vorsieht.

Die vertraglich vereinbarten Rüben wurden umgehend abgeholt, wie Hirschberg berichtet. „Das hier sind jetzt sogenannte Überschussrüben, und deren Zustand verschlechtert sich von Tag zu Tag. Ob davon am Ende überhaupt noch etwas übrig bleibt?“ Er zuckt mit den Schultern.

Nachdem sich im Herbst abzeichnete, dass die Landwirte im Nordosten  rund 2,3 Millionen Tonnen Zuckerrüben ernten werden – so viele wie nie zuvor, – wurde schnell klar, dass diese Menge in der geplanten Verarbeitungszeit bis Anfang 2015 nicht zu schaffen sein wird.

Der Rübenanbauerverband und die regionalen Bauernverbände kamen daraufhin mit der Anklamer Zuckerfabrik überein, die Kampagne zu verlängern, bis auch die allerletzte Rübe über die Bänder gerollt ist. Zuckerfabrik-Geschäftsführer Matthias Sauer sagt: „Ich rechne jetzt Anfang Februar damit, nehme aber auch zur Kenntnis, dass sich die Rübenqualität von Tag zu Tag verschlechtert. Gut möglich, dass wir Hunderte, wenn nicht Tausende Tonnen gar nicht mehr abholen.“ Hauptproblem ist das Wetter. Aufgrund des vielen Regens bei für die Jahreszeit viel zu milden Temperaturen schreitet der Zersetzungsprozess sichtbar voran. Wenige Frosttage zwischenzeitlich sorgten dafür, dass das von den Rüben aufgenommene Wasser gefror und sie letztlich sprengte. Die Folie, die zum Schutz über die Rübenmieten gezogen wurden, haben die orkanartigen Böen an vielen Stellen weggerissen.

„Die Zuckerfabrik toleriert maximal fünf Prozent schlechte Rüben bei jeder Lieferung. So sehen es die Verträge vor“, sagt die Geschäftsführerin des Rübenanbauerverbandes, Antje Wulkow. Sie rät deshalb allen 730 Mitgliedern im Land, schlechte Rüben auszusortieren.

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