Prüfungsnot in MV nach Abschaffung des Kurssystems : Zu wenig Zeit für Mathe: Noten immer schlechter

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Schlechte Mathe-Zensuren verhageln den Gymnasiasten in MV reihenweise das Abitur. Allein mit "zu dummen" Schülern lässt sich nicht erklären, dass der Mathe-Durchschnitt deutlich schlechter ist als in anderen Fächern.

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12. September 2012, 08:14 Uhr

Schwerin | Schlechte Mathe-Zensuren verhageln den Gymnasiasten in MV reihenweise das Abitur. Im Durchschnitt erreichten die Schüler in der Pflichtprüfung im vergangenen Frühjahr nur noch sechs Punkte. Das ist kaum besser als eine Vier. Das bedeutet: Wenn der Durchschnitt bei "ausreichend" liegt, muss in zahlreichen Einzelfällen eine Fünf in Mathe auf dem Zeugnis gestanden haben.

Allein mit "zu dummen" Schülern lässt sich nicht erklären, dass der Mathe-Durchschnitt deutlich schlechter ist als in anderen Fächern. Immerhin kamen die Abiturienten trotz schlechter Mathe-Zensuren insgesamt auf einen Notendurchschnitt von 2,4, wie das Bildungsministerium auf eine Kleine Anfrage der Bündnisgrünen im Landtag mitteilte.

Schüler, Lehrer und Experten vermuten die Ursachen in der um ein Jahr auf zwölf Jahre verkürzten Schulzeit und in der Abschaffung des Kurssystems. Bis vor vier Jahren belegten Schüler in ihren beiden Lieblingsfächern Leistungskurse mit fünf Wochenstunden. Die anderen lernten in dem Fach in dreistündigen Grundkursen. Nun sitzen alle in einer Klasse, werden am Ende aber je nach Wahl auf Grundkurs- oder Leistungskursniveau geprüft.

Michael Blanck, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), vermutet, dass es den Lehrern in Mathematik weniger als in anderen Fächern gelingt, die Schüler in einer Klasse auf verschiedenen Niveaus aufs Abitur vorzubereiten. Zwangsläufig müsse der Unterricht mehr als Grundkursinhalte bieten, um Leistungskurs prüflingen gerecht zu werden. Das überfordere eventuell die anderen, so Blanck. Es müsse hinterfragt werden, ob unterschiedliche Prüfungen noch sinnvoll seien. Carsten Hammer, Vorstandsmitglied im Philologenverband, glaubt, Mathematik-Förderstunden könnten einen Ausgleich schaffen. Dazu fehle den Schulen aber das notwendige Stundenkontingent. Zudem weist er darauf hin, dass die Mathelehrer im Durchschnitt über 50 Jahre alt sind und der Krankenstand hoch sei. "Es fehlen junge gut ausgebildete Mathematiklehrer", sagte Hammer.

"Fachlich sind die Lehrer gut, didaktisch nicht so sehr", sagt Dejan Panow vom Landesschülerrat. Der Unterricht sei zu abstrakt. Er räumt ein, dass die Lust auf Mathe den Kindern von den Eltern selten mit auf den Weg gegeben wird. Oft heiße es beruhigend: "Ach, in Mathe war auch ich schon schlecht." Mathematik macht ein Siebtel der Abiturnote aus. In manchen Klassen nehmen acht von zehn Schülern Nachhilfe, um den anspruchsvollen Stoff zu schaffen, so ein Schüler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

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