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Schlecht bezahlt und überlastet : Zu wenig Nachwuchs für die Altenpflege

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Rückläufige Ausbildungszahlen trotz Bundesinitiative. Hemmendes Schulgeld

svz.de von
erstellt am 14.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Die Zahl alter Menschen in Mecklenburg-Vorpommern steigt – und parallel dazu wächst der Bedarf an qualifizierter Pflege. Doch die „Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege“ des Bundes von 2011 bis 2015 hat im Land nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht. Wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervorgeht, stieg die Zahl der Altenpflegeschüler nur zwischen 2011 und 2013/14. Anschließend ging sie wieder zurück – sowohl in der Erstausbildung als auch bei Umschulungen. So erwarben 2013 noch 631 Altenpflegeschüler ihren Abschluss als examinierte Fachkraft, im vergangenen Jahr waren es nur noch 438.

Die scheidende Landtagsabgeordnete der Linken Karen Stramm verweist zudem auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, wonach jährlich etwa 800 Altenpflegekräfte aus dem Beruf aussteigen, fast die Hälfte davon Fachkräfte. „Diese Mitarbeiter, die die Pflege in MV verlassen, müssen die Pflegeeinrichtungen kompensieren. Sie müssen zusätzlich Kräfte für die Altenpflege gewinnen, wenn sie die Personalausstattung in den Einrichtungen verbessern wollen, was dringend notwendig ist“, so Stramm.

Der letzten Sozialberichterstattung des Landes zufolge hat MV mit 4,1 Prozent der Gesamtbevölkerung den höchsten Anteil Pflegebedürftiger in der Bundesrepublik. Ein Viertel aller Pflegebedürftigen wird mit Hilfe von Pflegediensten betreut, mehr als ein Viertel (27 Prozent) in Heimen. Diese sind zu 97 Prozent ausgelastet – so stark wie in keinem anderen Bundesland.

Die daraus resultierende hohe Arbeitsbelastung ist ein Grund dafür, weshalb viele Pflegekräfte der Branche den Rücken kehren. Ein anderer ist die weit verbreitete Teilzeitbeschäftigung: Knapp 60 Prozent der Beschäftigten in Heimen und fast jeder Zweite in ambulanten Pflegeeinrichtungen im Land arbeitet nicht Vollzeit. Und schließlich wird in anderen Bundesländern die Arbeit in der Pflege häufig deutlich besser bezahlt.

„Wir brauchen eine Pflegeoffensive“, fordert deshalb Karen Stramm. „Ein erster Schritt muss die kostenfreie Ausbildung an den privaten Schulen sein.“ Denn während in neun Bundesländern Altenpflegeschulen kostenlos sind, muss in MV Schulgeld bezahlt werden. Der Landtag hat zwar schon darüber beraten es abzuschaffen, eine Entscheidung aber in die neue Legislatur vertagt.

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