zur Navigation springen

Einschnitte in der Geburtshilfe : Zu viele Kaiserschnitte wegen zu weniger Hebammen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Elterninitiative „Mother Hood“ sieht fehlende Hebammen und zu wenige Geburtskliniken als Ursache.

svz.de von
erstellt am 04.Dez.2015 | 08:00 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern kommen zu viele Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. Das sei eine Folge fehlender Hebammen und falscher finanzieller Anreize für die Krankenhäuser, befindet die Elterninitiative „Mother Hood“. Außerdem gebe es zu wenige Geburtskliniken, sagte die Landessprecherin der Initiative, Michaela Skott, gestern in Schwerin. Dadurch sei der Weg zu einer Klinik für viele Schwangere zu weit. Eltern könnten nicht verstehen, dass Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) vor diesem Hintergrund die Geburtshilfe-Station im Kreiskrankenhaus Wolgast schließen lässt. Schwangere hätten kaum noch eine Auswahl, wo sie ihr Kind zur Welt bringen können.

Die Initiative forderte das Land und die Kommunen auf, den Aufbau „interdisziplinärer Geburtszentren“ in den dünner besiedelten Regionen des Landes zu unterstützen. Es dürfe nicht dazu kommen, dass Kinder im Rettungshubschrauber zur Welt kommen müssen.

Laut Skott lässt sich die Qualität der Geburtshilfe im Land nicht an der Säuglingssterblichkeit ablesen. Die sei in ganz Deutschland sehr gering. Allerdings verhelfe bei 28 Prozent der Geburten in Mecklenburg-Vorpommern ein Kaiserschnitt dem Baby auf die Welt. Das sei fast doppelt so oft, wie es von der Weltgesundheitsorganisation WHO als im weitesten Sinn medizinisch notwendig angesehen wird. Auch die Zahl der Dammschnitte liege deutlich höher als von der WHO als „normal“ angesehen wird. Hebammen, die werdende Mütter über mehrere Monate der Schwangerschaft begleiten, könnten diese rechtzeitig über Alternativen zum Kaiserschnitt aufklären. Es gebe jedoch zu wenige Hebammen, die dies noch leisten könnten. 2013 wurden in Mecklenburg-Vorpommern 1 2500 Kinder geboren. In Schwerin ist nur noch eine freiberufliche Hebamme tätig, die pro Jahr nach eigenen Angaben bis zu 60 Geburten begleitet. Die Gesamtzahl der Hebammen, die Geburtshilfe leisten, sei nicht bekannt, sagte Skott. Hinzu komme, dass die Kliniken offenbar mehr Geld mit einem Kaiserschnitt verdienen könnten als bei einer natürlichen Geburt. Skott: „Hier werden falsche finanzielle Anreize gesetzt.“

Unterstützung fand „Mother Hood“ (motherhood ist englisch und steht für Mutterschaft) nicht nur bei den Landtagsfraktionen der Linkspartei und der Grünen. Auch der Chef der Frauenklinik der Helios-Klinik in Schwerin, Stephan Henschen, sagte, die Zahl der Kaiserschnitte müsse gesenkt werden. Während ein Kaiserschnitt bei der Geburt des ersten Kindes eher unproblematisch sei, wachse danach das Risiko für die Mutter wie für die Babys bei folgenden Geburten. Allerdings versuchten die Ärzte immer wieder das Risiko, dass das Kind bei der Geburt geschädigt wird, durch einen Kaiserschnitt zu senken. Sie fürchten sich vor hohen Schadensersatzforderungen, falls ein Kind nicht gesund zur Welt kommt.




zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen