Warnemünde : Zu viel Sonnencreme ist schlecht fürs Meer

Chemikerin Kathrin Fisch
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Chemikerin Kathrin Fisch

Eine Expertin erklärt, warum man der Umwelt zuliebe die Sonnencreme erst nach dem Baden benutzen sollte

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25. Juni 2017, 19:25 Uhr

Bei vielen Strandbesuchern ist es ein Ritual: Bei der Ankunft am Strand wird erstmal dick Sonnencreme auf die Haut gebracht und dann ab ins Wasser. Das Problem ist, dass dann viel Creme im Wasser landet und nicht auf der Haut bleibt.

Der unsachgemäße Gebrauch von Sonnencremes beim Strandbesuch kann nach Expertenmeinung langfristig zu Schäden in der Meeresumwelt führen. Bei Messungen in der Ostsee vor Warnemünde wurden im vergangenen Sommer sogenannte UV-Filter gefunden, die aus Sonnencremes stammen, sagt die Chemikerin Kathrin Fisch vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde. Bei den Messungen vor dem Ostseebad konnte sie beispielsweise 30 Nanogramm UV-Filter pro Liter Ostseewasser nachweisen. Ein Nanogramm ist ein milliardstel Gramm.

Die Mengen im Nanogramm-Bereich seien wahrscheinlich für den Menschen ungefährlich, erklärt Fisch. Es sei eine Frage der Langzeitwirkungen. Die Wissenschaftlerin geht davon aus, dass die UV-Filter dann abgetragen werden, wenn sie in zu großen Mengen auf die Haut gebracht werden. Auch zu kurze Einwirkzeiten der Cremes vor dem Baden könnten dafür verantwortlich sein. Eine wichtige Schlussfolgerung sei, dass die Strandbesucher den Sonnenschutz nach dem Baden auftragen sollten.

Auch der Chef des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock, Christopher Zimmermann, sieht keine akute Bedrohung durch die Sonnencreme-Reste für die Fische in der Ostsee. „Im Meer sind die Verdünnungen gewaltig.“ Er verweist jedoch auf Untersuchungen beim Aal, der sich in einem physiologisch schlechten Zustand befindet. Dies werde allgemein auf den negativen Einfluss von Chemikalien zurückgeführt, die sich anreichern und dann auf das Hormonsystem wirken. „Allerdings holt der Aal sich seine Belastung im Süßwasser ab.“

„Es gibt Tausende Verbindungen, die die Gewässer belasten“, sagt Fisch. Dazu zählten auch Arzneimittelrückstände. Andere Arbeitsgruppen stellten in Laborversuchen fest, dass manche Antibiotika oder auch Schmerzmittel hormonell verändernde Wirkungen auf Meerestiere haben können.

Vermutlich stamme ein großer Teil der Schadstoffe aus den Abwässern der Anrainerkommunen. Es sei also nicht nur besser, Sonnencremes sparsam zu dosieren, sondern auch, das nahe Toilettenhäuschen aufzusuchen als einfach ins Meer zu pinkeln.

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