Grenzwerte überschritten : Zu viel Quecksilber in den Fischen

Ein Barsch hat angebissen. Untersuchungen der Fische ergaben einen überhöhten Quecksilbergehalt.
Ein Barsch hat angebissen. Untersuchungen der Fische ergaben einen überhöhten Quecksilbergehalt.

Plötze und Barsche werden untersucht / Ökologische Grenzwerte werden überschritten / Essen kann man den Fang aus Elde trotzdem

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17. März 2015, 07:36 Uhr

„Die Fische können Sie essen“, beruhigt Dr. Alexander Bachor vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) seine Zuhörer. Doch zuvor verkündet er bei einem Vortrag in Parchim bedenkliche Untersuchungen von Barschen und Plötzen im Land.

Bedenklich für die Umwelt ist es, wenn in einem Kilogramm Fisch mehr als 20 Mikrogramm Quecksilber nachgewiesen werden. (Ein Mikrogramm ist ein Millionstel Teil eines Gramms). Diese Norm, die in der Oberflächengewässerverordnung festgelegt ist, wird deutschlandweit überschritten, so Bachor bei einer Beratung des Umweltausschusses des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Dennoch dürfen die Fische gegessen werden, weil der Grenzwert, der für die menschliche Ernährung gilt, auf 500 Mikrogramm pro Kilo Fisch festgesetzt wird.

Das ist 20-mal so hoch wie der ökologische Grenzwert. Bei Fischen, die in der Elde bei Dömitz gefangen wurden, lag der Wert zuletzt über 150, in der Elde bei Parchim bei rund 100. Dieser Marke nähert sich u.a. auch der Quecksilbergehalt in Plötzen und Barschen, die an zwei Stellen in der Warnow analysiert wurden.

„Quecksilber ist der Problemstoff“, erklärt Bachor. Das Problem ist, dass er nicht vor Grenzen Halt macht. Das giftige Schwermetall wird beispielsweise über die Verbrennung in Kohlekraftwerken weltweit freigesetzt und über die Atmosphäre verteilt. So wirkt sich selbst die Industrie in China bis nach Europa aus. Die Quecksilberbelastung sei in Deutschland zurückgegangen, trotzdem wurden die Normen überschritten, so Bachor.

Das Wasser in den Seen über 50 Hektar und in großen Wasserläufen wird entsprechend europäischer Normen auf 33 verschiedene Schadstoffe untersucht. Dazu gehören Schwermetalle, Pflanzenschutzmittel, Industriechemikalien und bestimmte andere Schadstoffe wie das seit Jahrzehnten nicht mehr erlaubte Insektizid DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) sowie Nitrat. Wie der Fachmann aus dem LUNG erklärte, werden einige davon, deren Einsatz bereits seit langer Zeit verboten ist, immer noch nachgewiesen. So finden sich beispielsweise Spuren des seit 1991 verbotenen Pflanzenschutzmittels Atrazin bis heute in der Elde.

Durch die überall verbreiteten Schadstoffe wie Quecksilber stimmt quasi in keinem einzigen Gewässer die Chemie. Es gibt aber hierzulande eine zweite Betrachtungsweise, nach der die großen Seen und Flüsse bewertet werden - nämlich nach Stoffen, die in der Region zu beeinflussen sind. Aus dieser Sicht gibt es im Landkreis ein Gewässer, bei dem die Qualitätsnorm überschritten wurde und das folglich durch einen schlechten chemischen Zustand auffällt: die Warnow oberhalb des Barniner Sees. Hier werden die Normen beim Pflanzenschutzmittel Isoproturon nicht eingehalten.

Außer nach ihrem chemischen Zustand werden die Seen auch in ökologische Zustandsklassen eingeteilt, wobei das LUNG nur eine Übersicht über Seen mit mehr als 50 Hektar erstellt, die europaweit erfasst sind.

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