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Lehrer in MV : Zu viel „Notunterricht“ in Schulen?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dass nur zwei Prozent des Unterrichts in MV wirklich ausfallen, ist nur ein Teil der Wahrheit. Tatsächlich wird jede zehnte Stunde nur notdürftig erteilt.

svz.de von
erstellt am 18.Jul.2017 | 20:55 Uhr

Die Lehrergewerkschaften GEW und Philologenverband haben eine teilweise kritische Bilanz des zu Ende gehenden Schuljahres gezogen. Die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner beklagte einen hohen Anteil von notdürftig erteiltem Unterricht. Jede zehnte Unterrichtsstunde werde durch einen anderen Lehrer vertreten oder müsse durch die Zusammenlegung von Klassen oder stille Beschäftigung der Kinder abgesichert werden, sagte Lindner heute in Schwerin. Dass nur zwei Prozent des Unterrichts in Mecklenburg-Vorpommern wirklich ausfallen, sei nur ein Teil der Wahrheit.

Vor allem an den Grundschulen sei die Zusammenlegung von Klassen ein massiv angewandtes Mittel, um Unterrichtsausfall bei Abwesenheit oder Krankheit des Lehrers zu verhindern, sagte Lindner. „Das führt zu Klassengrößen von weit über 40 Kindern.“ Das sei für Lehrkräfte wie Kinder belastend. Oft würden dann auch die Förderstunden gestrichen, in denen die Klassen geteilt werden, um individueller auf jeden Schüler eingehen zu können.

Gründe für die Situation sind nach Lindners Angaben eine zu geringe Reserve in der Planung der Unterrichtsversorgung sowie ein Mangel an Lehrkräften. Das steigende Durchschnittsalter trage zu mehr und längeren Ausfallzeiten durch Krankheiten bei.

Jörg Seifert vom Philologenverband Mecklenburg-Vorpommern, der Gewerkschaft für Gymnasiallehrer, forderte Änderungen an den Einstellungsterminen für Referendare, um dem Lehrermangel zu begegnen. Seit der Verkürzung der Praxis-Ausbildung für angehende Lehrer von zwei auf eineinhalb Jahren ende das Referendariat am 31. Juli, sagte er. Dann sei aber die Bewerbungsfrist auf Lehrerstellen in MV für das folgende Schuljahr bereits abgelaufen. Viele Absolventen suchten dann erfolgreich in anderen Bundesländern ihr Glück – und Mecklenburg-Vorpommern habe zwar in ihre Ausbildung investiert, verliere die jungen Lehrer aber schließlich doch. Seifert forderte, Referendare so einzustellen, dass ihre Ausbildung Ende Januar endet.

Lindner und Seifert kritisierten übereinstimmend eine vergleichsweise hohe Unterrichtsverpflichtung der Lehrer in MV. Die Gymnasiallehrer hätten die höchste bundesweit, sagte Seifert. „Zeit ist die Währung der Zukunft“, erklärte Lindner. Beide Gewerkschafter forderten eine Verringerung der Stundenzahl für die Lehrer, um die Gesundheit der Pädagogen zu schützen.

Kritik übte Lindner an der Stundenzuweisung für die Inklusion. Sie sei zu gering und die Klassen seien zu groß, um Kindern mit Förderbedarf und auch den anderen gerecht werden zu können, sagte sie. Außerdem forderte sie, die Grundschullehrer, die vor allem die Inklusion umsetzen müssten, genauso zu bezahlen wie die Lehrer, die ab Klasse fünf unterrichten. Die gerechte Bezahlung der Grundschullehrer stehe für die GEW auf der Tagesordnung.

Auch die Linken zogen eine kritische Bilanz. An den allgemein bildenden Schulen und besonders den Berufsschulen herrsche ein anhaltend hoher Unterrichtsausfall, sagte die Fraktionschefin Simone Oldenburg. Die AfD kritisierte die Inklusion.

 

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