Landesamt für Gesundheit und Soziales : Zu viel Lärm in vier von fünf Kitaräumen

Spaß mit ernsthaftem Hintergrund: Messungen in Kindertagesstätten weisen einen Lärm  nach, bei dem man sich am liebsten die Ohren zuhalten würde.
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Spaß mit ernsthaftem Hintergrund: Messungen in Kindertagesstätten weisen einen Lärm nach, bei dem man sich am liebsten die Ohren zuhalten würde.

Die schlechte Raumakustik beeinträchtigt Gesundheit und pädagogische Arbeit

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05. August 2016, 20:45 Uhr

In den meisten Kindertagesstätten in Mecklenburg-Vorpommern ist es lauter, als der Gesundheit zuträglich ist. Zu diesem Ergebnis kommt das in Rostock ansässige Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) in eigenen Untersuchungen.

Ausschlaggebend für dieses Ergebnis waren allerdings nicht die im bundesweiten Vergleich besonders großen Gruppen hierzulande, sondern raumakustische Aspekte. „80 Prozent der Räume waren zu beanstanden, weil die DIN-Normen nicht eingehalten wurden“, so der Erste Direktor des Lagus, Heiko Will. Entscheidendes Kriterium dabei ist die Nachhallzeit, also die Zeit, die ein Raum benötigt, um ein Geräusch abzubauen. Laut DIN sollte sie in einem für Mecklenburg-Vorpommern typischen Gruppenraum von ca. 130 Quadratmetern Größe bei 0,51 Sekunden liegen. Tatsächlich aber waren durchschnittlich 0,66 Sekunden nötig, bis ein Geräusch völlig verhallt war.

Wenn gespielt wird, entsteht in einem üblichen Gruppenraum dem Lagus zufolge ein Lärmpegel von 76 dB(A). Um sich unterhalten zu können, sollten 45 dB(A) allerdings nicht wesentlich überschritten werden. „In einer solchen Umgebung muss man also fast schreien, um verstanden zu werden“, konstatiert die Behörde.

Der Lärm habe direkte gesundheitliche Wirkungen auf die Menschen in den entsprechenden Räumen, also gleichermaßen auf die Erzieherinnen und Erzieher wie auch auf die Kinder, so das Lagus. Selbst wer die Räume nach einiger Zeit verlasse und die plötzliche Ruhe spüre, fühle sich noch angespannt und gestresst. Dazu käme, dass die Sprachverständlichkeit in lauten Räumen sehr stark eingeschränkt ist – das sei lästig und schränke zugleich die Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder ein. Außerdem gebe es einen Teufelskreis: Lange Nachhallzeiten als wichtigster Ausdruck schlechter Raumakustik führten ihrerseits zu einer Verminderung der Sprachverständlichkeit. Deshalb werde in lauten Räumen automatisch noch lauter gesprochen – und der Lärmpegel steige weiter an.

„Vieles ist allerdings durch die Nutzer beeinflussbar“, betont Lagus-Direktor Will. Durch pädagogische, organisatorische oder räumliche Veränderungen – zum Beispiel den Ein- oder Aufbau schallschluckender Elemente – ließe sich der Lärmpegel bereits deutlich senken.
 

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