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Grüne fordern höheren Schutz von Trinkwassereinzugsgebieten : Zu viel Dünger: Uran gefährdet Grundwasser

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Mecklenburgs Grundwasserspeicher geraten in Gefahr. Eine Analyse der Messwerte aus dem Uranbericht des Landes lasse den Schluss zu, dass Nitrat aus Düngergaben im Boden oxidierend wirke und dabei Uran freigesetzt werde.

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erstellt am 27.Aug.2013 | 07:59 Uhr

Schwerin | Erst Nitrat nun Uran: Mecklenburg-Vorpommerns Grundwasserspeicher geraten in Gefahr. Eine Analyse der Messwerte aus dem Uranbericht des Landes lasse den Schluss zu, dass Nitrat aus Düngergaben im Boden oxidierend wirke und dabei Uran, das zuvor durch Phospatdünger auf die Flächen gelangt sei, freigesetzt werde, erklärte der renommierte Uran-Experte Prof. Wolfgang Van Berk von der Technischen Universität Clausthal. Dieser Prozess könnte sich in den kommenden Jahren weiter verstärken. Bei der Untersuchung von 27 in Mecklenburg-Vorpommern oft verwendeten Düngemitteln hatte das Land vor Jahren bereits in mineralischen Phosphordüngemitteln die höchsten Uranwerte nachgewiesen. 2010 waren bei 179 Kontrollen in fünf Fällen die zulässigen Schwermetallgrenzen überschritten worden und der Einsatz des Düngers untersagt worden. Das Schwermetall Uran ist giftig. Uranverbindungen können sowohl die Nieren als auch die Leber schädigen und innere Blutungen verursachen.

Die Grünen schlagen Alarm: "Da rollt eine Uran-Front auf unsere Grundwasserspeicher zu", warnte die Grünen-Landtagsabgeordnete Ursula Karlowski gestern. Aus dem Grundwasser wird in Mecklenburg-Vorpommern 85 Prozent des Trinkwassers gewonnen. Noch bestehe keine "akute Gefahr" und sei das Trinkwasser im Land gut und trinkbar. Werde die Entwicklung allerdings weiter zugelassen, könnten Wasserversorger im Land gezwungen sein, immer mehr Brunnen zu schließen. Dann könnte Trinkwasser knapp werden, sagte Karlowski. Die Grünen fordern jetzt Klarheit. In einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung verlangen sie Aufklärung über die Uranbelastung.

Um die Mobilisierung des Urans zu stoppen müsse in MV auf extensive Landwirtschaft umgestellt und der Öko-Landbau ausgeweitet werden, forderte Karlowski. Oft werde so viel gedüngt, dass die Pflanzen gar nicht alles aufnehmen könnten. Angesichts der Entwicklung müssten die Bauern auf eine wasserschutzorientierte Wirtschaftsweise umschwenken und mehr Zwischenfrüchte anbauen - vor allem in Trinkwassereinzugsgebieten. Für mögliche Einbußen sollten Bauern Ausgleichzahlungen erhalten.

Ohnehin gefährde bereits eine zu hohe Nitratbelastung das Grundwasser. An drei von fünf Messstellen im Land seien hohe Werte festgestellt worden, sagte Karlowski. An jeder siebenten der 261 Grundwassermessstellen wurde der zulässige Grenzwert von 50 Milligramm gesundheitsgefährlicher Nitrate je Liter überschritten, teilte das Landesumweltamt mit. In fünf Prozent der Fälle sind sogar bis zu 100 Milligramm festgestellt worden. Dazu die zunehmende Uranbelastung: "Das macht uns große Sorgen", sagte Karlowski. Die Freisetzung von Uran infolge großer Düngergaben sei bundesweit zu beobachten. Ursache und Auswirkungen der Belastung müssten genau untersucht werden. Das Land habe offenbar die Brisanz erkannt und eine Uran-Arbeitsgruppe eingesetzt. Die Gründung zeige, dass "etwas im Argen liegt", meinte Karlowski.

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