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Alt Rehse: Bewohner fürchten Einschränkungen : Zu viel Denkmalschutz im NS-Musterdorf?

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Statt bisher einzelner Häuser soll der gesamte Kern des ehemaligen nationalsozialistischen Musterdorfes unter Denkmalschutz gestellt werden. Aber nicht alle Einwohner sind mit der neuen Regelung einverstanden.

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erstellt am 10.Apr.2013 | 11:11 Uhr

Alt Rehse | Birgit Düwel ist vorsichtig geworden. "Der Denkmalschutz schrieb einem bisher aber auch jede Kleinigkeit vor", sagt die Besitzerin des "Hauses Pommern" aus Alt Rehse im Kreis Mecklenburgische Seenplatte. Der Grund für ihre Skepsis: Statt bisher einzelner Häuser soll der gesamte Kern des idyllisch am Tollensesee gelegenen ehemaligen nationalsozialistischen Musterdorfes unter Denkmalschutz gestellt werden. Wie Düwel sind aber nicht alle Einwohner damit einverstanden. Das wurde von ihnen auf einer ersten Informationsveranstaltung am Montagabend im Ort deutlich gemacht.

"Der Dorfkern mit seinen reetgedeckten Fachwerkhäusern, Freiflächen, Alleen und Straßen mit Granitpflaster ist in seiner Gesamtheit von überregionaler Bedeutung", erläuterte Konservator Jörg Kirchner vom Landesamt für Denkmalpflege. Bewohner der Fachwerkhäuser befürchten mehr Bürokratie und höhere Kosten.

Alt Rehse sorgte schon mehrfach für Schlagzeilen. Denn der Ort gehörte - ebenso wie auch Prora und Peenemünde - zu den wichtigsten Architektur- und Geschichtszeugnissen aus der NS-Zeit. Der Dorfbesitzer wurde 1933 enteignet, das Dorf fast ganz abgerissen und ab 1934 neu aufgebaut. Davon zeugen in die dunklen Fachwerkbalken eingestanzten Häusernamen, wie "Haus Pommern", "Schlesien", "Kurhessen" oder "Hamburg". Die Namen mussten in der DDR-Zeit mit Schildern verdeckt werden. Zum Dorf gehört auch ein weitläufiger Gutspark. Er diente in der NS-Zeit als "Führerschule der deutschen Ärzteschaft", wo Tausende Mediziner unter anderem in Rassenkunde und Euthanasie geschult wurden. Der Umgang mit dem Gelände machte den Ort nach 1990 bundesweit bekannt. Die Kassenärztliche Vereinigung hatte den Park zunächst zurückverlangt, verzichtete aber nach jahrelangen Protesten im Dorf im Jahr 2003 darauf.

Seither ist viel passiert. Vor allem viele der Fachwerkhäuser wurden saniert. "Das ist teurer als bei herkömmlichen Häusern", ist Düwels Erfahrung. Mit der Denkmal schutzregelung will Konservator Kirchner vor allem Freiflächen, wie Dorfanger und Dorfteich, sowie die seltene Pflasterung und damit das Gesamtensemble erhalten. "Die Außengestaltung - keine hohen Zäune - ist schon sehr gut gelungen", sagte er. Viele Bewohner befürchten aber, künftig für Zäune und andere Außenanlagen, wie Carports, größere Hürden überwinden zu müssen. "Vor allem wollen wir aber gleiches Recht für alle", sagte ein Bewohner. So hätten im weitläufigen Park, der von einer alternativen Lebensgemeinschaft bewohnt wird, schon drei Häuser "hässliche Edelstahlschornsteine". Das hätte im Dorf niemand genehmigt bekommen, so der Vorwurf. Kirchner und die Kreisdenkmalbehörde wollen sich jetzt darum kümmern.

Auch die Aktion eines anderen Nachbarn stößt auf Unmut: Am großen alten Speicher hat ein Sozialökologe goldene Statuen und Tafeln mit Erklärungen über sein Gesellschaftsmodell angebracht - was kein Einheimischer versteht. "Aber wir müssen uns dafür vor Gästen rechtfertigen", schimpfte ein Dorfbewohner.

"Wir werden alle Einwände aufnehmen und das noch mal prüfen", versprach Penzlins Bürgermeister Sven Flechner (parteilos), der auch für Alt Rehse zuständig ist. Die Grenzen des Gebietes sollen ebenfalls noch einmal überprüft werden. Wie Konservator Kirchner glaubt aber auch Bürgermeister Flechner, dass eine Denkmalregelung für den Erhalt des Dorfensembles von Nutzen sein kann. Bevor Kommune und Landkreis sich jedoch festlegen, sei erstmal eine weitere Diskussion geplant.

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