Sandsturm-Prozess : Zu schnell in die Staubwolke

Rund 80 Autos waren nach der Massenkarambolage in der Sandsturmwolke auf der A 19 Schrott.
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Rund 80 Autos waren nach der Massenkarambolage in der Sandsturmwolke auf der A 19 Schrott.

Staatsanwaltschaft fordert Bewährungsstrafe gegen die Hauptangeklagte im Sandsturm-Prozess.

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01. Juli 2015, 21:00 Uhr

Im Rostocker Sandsturm-Prozess hat die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung neun Monate Gefängnis auf Bewährung für die 54-jährige Angeklagte gefordert. Die Anklagevertreterin sah es gestern als erwiesen an, dass die Pflegedienstleiterin aus Eisenhüttenstadt am 8. April 2011 während des verheerenden Sandsturms auf der Autobahn A 19 zu schnell in die Staubwolke gefahren ist, wo sie mit einem Kleinwagen zusammenstieß. Dieser wurde durch die Wucht des Aufpralls von der rechten Fahrspur gegen die Mittelleitplanke geschleudert und von zwei weiteren Fahrzeugen gerammt. Als er in Brand geriet, verbrannten der 60 Jahre alte Fahrer aus Neuruppin und seine 45 Jahre alte Ehefrau. Sie waren durch den Auffahrunfall schwer verletzt worden. Die Angeklagte sei maßgeblich für den Tod der beiden verantwortlich, so die Staatsanwältin, zumal die Kollision vermeidbar gewesen sei. Die Angeklagte, die mit fünf Freundinnen in ihrem Kleinbus auf dem Weg an die Ostsee unterwegs war, hätte die Sandwolke bereits aus 650 Metern Entfernung sehen können. Die Staatsanwaltschaft stützte ihre Vorwürfe vor allem auf ein Gutachten, das den Hergang des Unfalls rekonstruierte.

An der Massenkarambolage waren rund 80 Autos und Laster beteiligt. Viele gingen in Flammen auf. Acht Menschen kamen ums Leben. Der Sandsturm sei eine „einmalige Ausnahmesituation“ gewesen, argumentierte der Verteidiger und forderte einen Freispruch. Die Angeklagte sei nicht zu schnell auf die Sandwolke zugefahren und habe auch nicht fahrlässig gehandelt. Als sie innerhalb der Sandwolke „von jetzt auf gleich“ in eine undurchschaubare Staubschwade geriet, habe ein „einmaliges Augenblicksversagen“ verhindert, dass sie ihren Wagen rechtzeitig abbremsen konnte. Der Verteidiger bezweifelte zudem, dass der Auffahrunfall die Ursache für den Tod des Ehepaars war. Mit Tränen in den Augen bedauerte die Angeklagte zum Schluss des Prozesses, dass zwei Menschen sterben mussten. Das Urteil soll in einer Woche verkündet werden.

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