Sommertour : Zu Gast beim Windmüller

Die Holländer-Windmühle steht seit gut 100 Jahren in Altkalen.
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Die Holländer-Windmühle steht seit gut 100 Jahren in Altkalen.

Mühle Altkalen produziert als einzige in Mecklenburg-Vorpommern noch regelmäßig Mehl

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04. Juli 2014, 07:52 Uhr

Die Wach-Gans passt auf: Kaum betritt der Besucher den Mühlenhof, kommt sie aufgeregt an den Zaun gewatschelt. Dabei ist das Betreten hier ausdrücklich erlaubt. Die 100 Jahre alte Holländer-Windmühle von Altkalen zwischen Teterow und Demmin steht täglich offen. Detlef Preuß lebt hier als Müller – bereits in vierter Generation. Sein Vater mahlte noch bis 1960 mit Wind das Getreide, danach produzierte er Mischfutter für das Vieh der LPG.

„Er hat immer gesagt, de Jung ward ok Möller“, erzählt Detlef Preuß. „Aber das war schon zu DDR-Zeiten keine Perspektive.“ So wurde der Müllerssohn zunächst Schmied. Aber als sein Vater 1987 starb, ging es um die Zukunft des Hofes. So lernte Preuß junior einen zweiten Beruf: Müller. Seine Mühle war schon lange denkmalgeschützt, aber in sehr schlechtem Zustand.

„Gebäude und Technik waren erhaltenswert, deshalb bekamen wir Fördermittel“, sagt der 49-Jährige. Von 1991 bis 2005 wurde das technische Denkmal nach und nach saniert. Allerdings wurden kaum Modernisierungen eingebaut, und so produziert Preuß bis heute Mehl nach alter Tradition. Der Verein Mühlenhof Altkalen e.V. betreibt die Mühle als funktionierendes technisches Denkmal. Wenn kein Wind weht, wirft Preuß den Motor an. „Anders macht es die Kundschaft nicht mit“, weiß der Müller. „Ich kann ja nicht sagen, kommt mal in drei Wochen wieder, vielleicht war´s bis dahin windig genug.“

Etwa acht Tonnen Mehl pro Jahr aus biologisch angebautem Roggen, Weizen und Dinkel produziert die Mühle in Altkalen – relativ viel für ein technisches Denkmal, meint Preuß. Ein Drittel davon verbackt er selbst, ein weiteres Drittel geht an größere Kunden, das letzte Drittel an Bioläden, den Internetversand oder an Kunden direkt ab Hof.

Aber viel mehr als Mehl verkauft Preuß Brot und Kuchen. Von einem Bäckermeister ließ er sich das traditionelle Backen beibringen. In der Saison, also bis Mitte September, feuert er jeden Mittwoch und Donnerstag den großen Steinofen an. Bei 300 Grad wird zuerst das Brot gebacken, danach bei etwas weniger Hitze der Kuchen – das bringt den besonderen Geschmack.

„Viele machen sich Gedanken um gesunde Ernährung. Bei meinem Vollkornmehl können die Besucher sehen, wie es produziert und verarbeitet wird.“ Sie können selbst in die Mühle hineingehen und das Innenleben anschauen. Für Gruppen oder angemeldete Gäste bietet der Müller Führungen an. Aber auch bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen in der Festscheune lässt sich einiges erzählen, meint Preuß. „Viele Besucher kommen extra wegen der Technik – so etwas gibt es ja nicht mehr allzu häufig. Schon gar nicht eine Mühle, die noch Mehl produziert. In MV ist es die einzige.“ Sonntags öffnet der Windmüller das Café, für Gruppen nach Absprache auch an anderen Tagen.

Spendenaktion: Um Mehl mit Windkraft produzieren zu können, brauchen die Flügel intakte Klappen. Der Mühlenhof Altkalen bietet einzelne Klappen zum Preis von 50 bzw. 100 Euro an. www.windmehl.de



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