Zu dick und ungeschickt: Schülern fehlt Sport

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02. Mai 2012, 08:24 Uhr

Rostock | Sie laufen langsamer, springen kraftloser und werfen nicht mehr so weit wie früher - mit den sportlichen Leistungen von Schülerinnen und Schülern in Mecklenburg-Vorpommern geht es bergab. Sportwissenschaftler und Sportlehrer wollen Sportmuffel darum auf Trab bringen. Über Strategien dafür informieren sie sich in Rostock auf der diesjährigen Schulsportkonferenz Leichtathletik.

Gastgeber ist Dr. Matthias Weippert, Sportbiologe am Institut für Präventivmedizin der Universität Rostock und Lehrwart im Deutschen Leichtathletikverband MV. Er verweist auf diverse Studien zur körperlichen Situation der heranwachsenden Generation. Die bewegt sich immer weniger. Im Schnitt gerade mal eine Stunde am Tag, davon gehen aber nur 15 bis 30 Minuten als intensive Bewegung durch. Das haben Untersuchungen in Grundschulen gezeigt. Demnach verbringen die Mädchen und Jungen die meiste Zeit - 9 Stunden - im Sitzen, weitere 5 Sunden im Stehen.

Eine Folge: Viele Kinder werden dicker. Im Grundschulalter sind 15 bis 20 Prozent übergewichtig. Durch zunehmende Freizeitgestaltung vor Computer und Fernseher fehlen Bewegungsanreize, die motorische Leistungsfähigkeit sinkt. "Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit haben seit den 1970er-Jahren um 10 bis 15 Prozent abgenommen", sagt Matthias Weippert und nennt Beispiele: 1982 flogen Schlagbälle auf Schulsportplätzen durchschnittlich 34 Meter weit, 1996 waren es noch 27 Meter. Beim 1000-Meter-Lauf verschlechterten sich die Ergebnisse von 1976 bis 1996 um 20 Prozent, beim Schlusssprung aus dem Stand gingen die Weiten um 14 Prozent zurück.

Angesichts der alarmierenden Zahlen fordert der Leichtathletikverband die tägliche Sportstunde - beim Fachlehrer. "Leider werden bis zu 80 Prozent der Sportstunden durch fachfremde Lehrer vertreten", kritisiert der Sportbio loge. Die tägliche Sportstunde könne vor allem jene Kinder erreichen, die sich nicht in Sportvereinen betätigen. Insbesondere übergewichtige Kinder und Jugendliche könnten durch regelmäßige Bewegung schnell Erfolge erzielen und Verbesserungen spüren, wie Matthias Weippert erklärt. Am Wochenende will er mit den Sportlehrern und Trainern neue methodische Ansätze ausprobieren. Zudem stellen Sportwissenschaftler neue Bewertungskriterien vor. Bis heute seien hierzuLande in vielen Disziplinen die Normwerttabellen aus DDR-Zeiten in Gebrauch- mangels aktuellerer Zeiten und Weiten.

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