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Zu Besuch in Baumhäusern, Bahnhöfen und Bienenwaben

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erstellt am 28.Jun.2013 | 05:28 Uhr

"Das ist ein Wabenhaus", sagt Pauletta. - "Nein, das ist ein Baumhaus", widerspricht Greta. Die beiden Sechsjährigen aus München können sich zwar nicht einigen, wie das nun heißt, worin sie wohnen, aber sie finden´s toll. Mit ihren Müttern probieren sie die ungewöhnlichen neuen Unterkünfte in der Jugendherberge Beckerwitz bei Wismar aus - alle sind begeistert.

"Das Holz macht die Häuser gemütlich und warm - und es riecht so schön", meint Annette Reichenbecker. "Aber man muss schon befreundet sein, wenn man zu sechst da drin wohnt", ergänzt Yvonne Meier lachend.

Denn es gibt keine Türen außer dem Eingang. Vier hölzerne Waben liegen versetzt aufeinander, innen gehen drei Räume ineinander über, die durch Treppen verbunden sind. Geruch und Optik der Sperrholzwände verstärken den Natur-pur-Eindruck. Und aus den großen Fenstern fällt der Blick auf das Grün, das dem Baumhausdorf seinen Namen gab. Seit 2012 stehen neben den ehrwürdigen Gebäuden der ältesten Jugendherberge Mecklenburg-Vorpommerns sechs dieser ungewöhnlichen Kons-truktionen.

"Wir haben inzwischen Gäste, die extra wegen dieser Häuser zu uns kommen - sogar aus Süddeutschland", sagt Herbergsmutter Eva Jörhs. "Darunter sind viele, die sonst gar nicht in Jugendherbergen fahren würden."

Heute und morgen können Besucher die besonderen Objekte selbst bestaunen. Zum diesjährigen Tag der Architektur öffnen über 50 Bauten im ganzen Land ihre Türen - darunter auch das Baumhausdorf in Beckerwitz.

Werbung für modernes Bauen

Schon seit mehr als zehn Jahren organisieren die Architektenkammern in ganz Deutschland diese Aktion jeweils am letzten Wochenende im Juni. Die Gäste lernen die Leistungen der Baumeister, aber auch die von Innen- und Landschaftsarchitekten sowie von Stadtplanern kennen.

"Wir lehnen uns ein bisschen an den Tag des offenen Denkmals an", sagt Joachim Brenncke, Präsident der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern. "Wir wollen jedoch nicht Geschichte präsentieren, sondern für modernes, zeitgemäßes Bauen werben."

Das schließt jedoch nicht aus, hier in MV denkmalgeschützte Gebäude zu zeigen, von denen es relativ viele gibt. Auch die Leistung derjenigen Architekten soll gewürdigt werden, die hauptsächlich Sanierungsprojekte realisieren. Im Gegensatz zum Landesbaupreis, der alle zwei Jahre herausragende Objekte prämiert, wird an diesem Wochenende Architektur in der Breite gezeigt. Dazu gehören Wohngebäude ebenso wie der Neubau der ecolea-Schule in Schwerin, in der gestern die Auftaktveranstaltung des Architektur-Tages stattfand. Es seien aber auch Bauten, die für die Zukunftsfähigkeit des Landes wichtig seien, etwa die Gläserne Meierei in Dechow oder eben das Baumhausdorf in Beckerwitz, so Brenncke. Eingeladen sind alle, die sich für die gebaute Zukunft im Land interessieren. Bauherren, Planer und Besucher können direkt am Objekt auf Augenhöhe ins Gespräch kommen.

Von der Natur abgeschaut

"Jeder ist potenzieller Bauherr - egal ob er sich seine Wohnung einrichtet, ein Haus baut oder seine Büros neu gestalten möchte", so der Kammerpräsident.

Die Organisation der Aktion ist aufwändig. Jedes Jahr müssen erneut Objekte gefunden werden, deren Besitzer bereit sind, die Türen für die Allgemeinheit zu öffnen. Erstmals gibt es in diesem Jahr eine App, mit der Interessierte sich eine Route zu den Ausstellungsorten heraussuchen können. In Schwerin und Rostock starten heute zum Auftakt der Aktion auch Fahrradtouren zu den verschiedenen Bauten.

In den Beckerwitzer Bienenwaben genießen Familien oder auch Schulklassen die außergewöhnliche Unterbringung.

"Es ist ein bisschen wie Zelten ohne Zelt", sagt Annette Reichenbecker. "Man schläft drinnen, geht aber mit der Waschtasche über die Wiese zum Sanitärhäuschen und zum Essen ins Haupthaus."

Die Idee zu den bisher einmaligen Feriendomizilen stammt von Projektentwickler Roland Hollstein, der sie gemeinsam mit dem Architekturbüro "Studio Nordost" aus Wismar und einheimischen Handwerksbetrieben umsetzte. Die Wabenform kommt nicht von ungefähr - als Inspiration dienten die Bienen in den umliegenden Rapsfeldern. Und auch die Namen lassen die Gedanken in die Natur fliegen: Ein Häuschen heißt Wind-leicht, ein anderes Licht-grün, ein drittes Meer-weiß. Von April bis Oktober haben Gäste hier ihr eigenes kleines Reich zwischen den Baumkronen.

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