NSU-Prozess in München : Zschäpes koketter Auftritt

Hauptangeklagte Beate Zschäpe: 'Sie wirkt selbstbewusst', meinte die Vertreterin der Bundesanwaltschaft, Anett Greger, nach der Verhandlung. Sie  zog auch gleich einen juristischen Schluss: Das entspreche auch der Einschätzung der Bundesanwaltschaft, wie man Zschäpes Rolle in der NSU bewertet habe. Foto: Peter Kneffel
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Hauptangeklagte Beate Zschäpe: "Sie wirkt selbstbewusst", meinte die Vertreterin der Bundesanwaltschaft, Anett Greger, nach der Verhandlung. Sie zog auch gleich einen juristischen Schluss: Das entspreche auch der Einschätzung der Bundesanwaltschaft, wie man Zschäpes Rolle in der NSU bewertet habe. Foto: Peter Kneffel

Der NSU-Prozess mit der Hauptangeklagten Beate Zschäpe wurde bereits am ersten Tag durch lange Befangenheitsanträge überschattet. Die Richter haben das Verfahren bis zum 14. Mai unterbrochen.

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06. Mai 2013, 10:28 Uhr

München | Bei dem spannendsten Moment an diesem Tag waren die Richter noch gar nicht im Saal: Kurz vor 10 Uhr hatte Beate Zschäpe ihren Auftritt - mit schnellen Schritten betritt sie den Gerichtssaal, dreht sich kurz, was ein wenig kokett wirkt, dann wendet sie den Fotografen den Rücken zu. Sie lehnt sich sich an eine Stuhllehne und verschränkt die Arme vor der Brust. Da das Gericht sich Zeit lässt, steht Zschäpe ziemlich lange so da, in schwarzem Hosenanzug und weißer Bluse. Zwischendurch stützt sie die Hände in die Hüften oder klammert sich an der Stuhllehne fest, während sich die Kameras an ihrem Rücken abarbeiten.

Sie ist die Hauptangeklagte in diesem Verfahren vor dem Oberlandesgericht München, die einzige Überlebende des "Nationalsozialistischen Untergrunds". Ihr droht lebenslange Haft - die Anklage wirft ihr Mittäterschaft an zehn Morden vor, und einiges mehr. Die 38-Jährige sieht bleich aus und müde. Kaum hat der Vorsitzende Richter festgestellt, wer im Saal anwesend ist, meldet sich Zschäpes Verteidiger Wolfgang Stahl. Er habe am Wochenende einen Befangenheitsantrag eingereicht - wie das Gericht damit umzugehen gedenke. "Was meinen Sie damit?", fragt der Vorsitzende Richter Götzl. Es folgt ein kleiner Wortwechsel, der eine leise Ahnung vermittelt, dass es nicht immer harmonisch zugehen wird im Gericht. Schließlich verliest Stahl den Antrag nochmals, was knapp 40 Minuten dauert. Kurz zusammengefasst: Die Verteidiger halten den Vorsitzenden für möglicherweise voreingenommen, weil die Anwälte vor Betreten des Saals durchsucht werden sollen, die Richter und Vertreter der Bundesanwaltschaft aber nicht.

Ein Nebenklage-Anwalt beschwert sich: "Es soll die Verhandlung verzögert werden, die Qual der Opfer soll verlängert werden." Doch nach der Mittagspause kommt gleich der nächste Antrag: Der mutmaßliche Terrorhelfer Ralf Wohlleben beantragt gleich die Ablehnung von drei Richtern. Sein Anwalt Olaf Klemke liest seitenweise aus Schriftwechseln mit dem Gericht vor. Nach einer knappen Stunde ermahnt der Vorsitzende Richter irgendjemandem im Bereich der Nebenkläger: "Dass Sie hier Zeitung lesen, ist nicht möglich." Klemke liest weiter. Im Saal wird es stickig. Erste Zuschauer verlassen den Saal.

Nur wenige Zuschauer können überhaupt an dem als Jahrhundertprozess bezeichneten Verfahren teilnehmen. Als Zeichen der Solidarität kommen am Vormittag einige hundert Menschen zu Kundgebungen und Mahnwachen vor das Gericht. Hunderte schwarze Luftballons steigen in den Himmel. Groß ist auch das Interesse inländischer und internationaler Medien. Bereits Stunden vor Prozessbeginn berichten sie in Live-Schaltungen.

Beate Zschäpe ist das erste Mal wieder in der Öffentlichkeit zu sehen - auch für die Angehörigen der Menschen, die Opfer der NSU-Terroristen wurden. Die Sicherheitsvorkehrungen sind gewaltig. 500 Polizisten sind im Einsatz. Die Straßen werden zeitweise gesperrt, Spezialkräfte überwachen den Luftraum.

In der Verhandlung scheint Zschäpe eher unruhig: Mal verschränkt sie die Arme, mal stützt sie den Kopf auf, dann fährt sie sich mit den Händen über das Gesicht und streicht die Haare nach hinten. Immer wieder sucht sie das Gespräch mit ihren Verteidigern. Der Kontrast zu ihren Mitangeklagten ist deutlich: André E., der auch in der ersten Reihe der Angeklagten sitzt, fläzt sich breitbeinig auf seinem Stuhl, die Arme vor dem stattlichen Oberkörper verschränkt - eine Haltung, als könnte ihm das ganze Verfahren nichts anhaben. In der zweiten Reihe sitzt der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben, hager, ruhig, beherrscht, kühl.

Nach einer Stunde und zwanzig Minuten hat Wohllebens Anwalt seinen Befangenheitsantrag vorgelesen. In die allgemeine Ermüdung hinein meldet sich Zschäpes Verteidiger Wolfgang Heer. Er kündigt einen weiteren Antrag an. Diesmal soll es um eine Aussetzung der Verhandlung und um den Sitzungssaal gehen. Das Gericht unterbricht nochmals zur Beratung. Götzl fragt, ob es weitere Befangenheitsanträge gebe. Niemand meldet sich. Und dann kündigt der Vorsitzende Richter an, man werde über die Anträge beraten. Erst am 14. Mai soll der Prozess fortgesetzt werden.

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