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Doping in der DDR : Zoff um Studie zu Dopingopfern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landtag beschließt Forschungsprojekt. Grüne kritisieren „Weichspülkoalition“, Verein Dopingopfer-Hilfe sieht Hilfe wichtiger als ideologischen Streit.

svz.de von
erstellt am 11.Dez.2015 | 06:20 Uhr

Was zunächst nach großer Einmütigkeit aussah, entpuppte sich gestern als handfester Konflikt. Zwar gab der Landtags-Innenausschuss 150 000 Euro für eine Studie frei, die das staatliche Dopingsystem in den drei DDR-Nordbezirken erforschen soll. Die Initiative dazu hatte die Grünen-Fraktion ergriffen. Beschlossen wurde kurzfristig jedoch ein zwischen Koalitionsfraktionen und Linke-Fraktion verfasster Entschließungsantrag. Nach Ansicht von Grünen-Sportpolitikerin Silke Gajek ein „weichgespülter Antrag einer ganz großen Koalition“.

Das Forschungsprogramm sei zwar ein sehr wichtiger Erfolg, konstatierte Gajek. „Uns irritiert aber das Verhalten von SPD, CDU und Die Linke. Sie haben unseren Antrag ohne Einbindung unserer Fraktion kurzfristig durch den gemeinsamen Antrag ersetzt.“ Offenbar hätten CDU und SPD den Skandal schnell vergessen, dass die Linke zur Experten-Anhörung im Ausschuss mit Professor Jochen Scheibe demonstrativ einen langjährigen Stasi-Mitarbeiter aufgeboten hatte, dessen Akte Hinweise auf eine eigene Beteiligung am Dopingsystem enthalte.

Diese Einladung nennt auch die Vorsitzende des Dopingopfer-Hilfe-Vereins DOH, Ines Geipel, ein Unding. „Das hätte schon am Tag der Anhörung zum Skandal gereichen müssen“, sagte sie unserer Zeitung. Dennoch plädierte sie dafür, nicht in ideologischen Streit zu verfallen. Wichtiger sei konkrete Hilfe für Menschen, die an Spätfolgen systematischen Dopings leiden. Die Regional-Studie sieht Geipel auch deshalb als so wichtigen Schritt, weil vielen Sportlern individuelle Medikamente verabreicht wurden. „Hier präzisere Erkenntnisse zu gewinnen hilft, gezieltere Diagnosen und Therapien für sie zu entwickeln.“

Die Anhörung hatte bestätigt, dass für den Norden enorme Forschungslücken bestehen. „Auch der Landessportbund hat zur Aufarbeitung bisher sehr wenig beigetragen“, kritisierte Gajek. „Wer aber das Staatsdoping verharmlost, untergräbt auch die heutige Dopingprävention.“

Auf die verwies SPD-Sportpolitiker Rudi Borchert, insbesondere mit Blick auf Kinder und Jugendliche. Zwar sei DDR-Staatsdoping bereits ein „breit erforschtes Teilgebiet“, relativierte er die Regionalstudie. Doch hob er hervor, dass die Koalition darüber hinaus die Einrichtung eines Opfer-Hilfsfonds auf Bundesebene von zehn Millionen Euro unterstütze; zudem soll die Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen „als Anlaufstelle für betroffene Sportler stärker wahrgenommen werden.“

Ines Geipel freut sich über jeden Fortschritt. Immerhin komme der Norden besser voran als die Südbezirke, seit im April der Deutsche Sportjournalistentag in Schwerin Doping zum Schwerpunktthema gemacht hatte – auch mit einer Podiumsdiskussion im medienhaus:nord.

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